Sabine:
Das Huhn ist verstorben, offenbar reichte es nicht, die Weintraube aus der Kehle zu entfernen.
In diesem urigen Bauern- und Gasthaus wäre ich gerne noch geblieben, Frühstück: Zwei Kaisersemmeln, Fleischwurst, drei Scheiben Käse, ein Ei, Aprikosenmarmelade, Kaffee, Saft, Wasser.
Bei glücklichem Sonnenwetter macht es wieder Freude: alles Nasse ist getrocknet und die Landschaft wechselt von dramatisch nach lieblich/bäuerlich. So habe ich es mir im Vorfeld gewünscht: ich sehe die Berge von weitem und radle durch das flache Land. Nun – vor diesem Traum stehen wir doch noch vor der ein oder anderen Steigung, so ganz raus sind wir doch nicht.
Was auch heute wieder schmerzt: Obstbäume allerorten: Äpfel, Birnen, Pflaumen … ich hätte so gerne welche geklaut, aber habe nicht wirklich Verwendung dafür. Das Obst liegt auf der Straße, in der Gosse, wird in Mengen im Bach angeschwemmt. Ich kann nur unter großem Gejammer überhaupt weiterfahren. Am besten halte ich den Blick stur auf die Straße gerichtet.
Großen Spaß macht eine Sitzpause auf einer Bank mit Weitblick Richtung Rosenheim und den Bergen im Rücken. So viel flaches Land haben wir lange nicht gesehen. In der Nähe toben eine Herde Rinder und sausen pausenlos im Kreis. Wäre es nicht den Berg wieder hinunter gegangen, hätte ich geschaut, was dafür der Grund sein könnte???
Wie viele Kilometer sind wir jetzt unterwegs? Ich weiß es nicht genau, aber es sind viiiiele hundert. Zeit für eine Reifenpanne. …
Plötzlich und ohne Vorwarnung macht Franks vorderer Reifen schlapp und die Situation ist da. Ähhh, jetzt erst einmal die Gedanken sammeln. Flickzeug haben wir dabei und seufzend will Frank die Achse aus dem Rad ziehen. Das System kennt er nicht, das Fahrrad ist ja brandneu und er probiert erfolglos rum.
Da naht die Rettung: Ein Auto fährt neben uns auf den Parkplatz, eine junge Frau steigt aus, sie hat ein Kind dabei.
„Einen Platten, das habe ich sofort gesehen,“ konstatiert sie. „Soll ich mal gucken?“
Und so waren wir sehr froh, auf diese Weise Hilfe zu bekommen. Sie erzählt, dass sie zu Hause auch viel selber bastele an ihrem Rad und etwas Erfahrung gesammelt habe. Diesen Eindruck haben wir auch. Kompetent testet sie die Achse, befragt das Internet nach dieser speziellen und schwupps, ist das Rad ausgebaut. Noch ein wichtiger Tipp zu den Bremsen und schon werden wir in die schaffbare Eigenverantwortung entlassen und können das Loch im Schlauch erfolgreich flicken. „Selbst ist die Frau“, kann ich da nur sagen, und noch einmal ein „Herzliches Dankeschön“!!!
Auf den Schreck bekommen wir dann Nuss-Kirschkuchen und fahren am Campingplatz Schliersee ein. Ein hübscher Platz, direkt neben der Bahnlinie. Da fährt ein ebenfalls hübscher Nahverkehrszug regelmäßig vorbei. Auch jetzt gerade … er pfeift, damit wir ihn beachten. …


















2 Kommentare zu „T58: Bayerischer Inn abwärts → Schliersee“
Die Schreibe lässt erkennen, Ihr habt den Humor bei der Panne und dem nahenden Lärm nicht verloren👏
Si Si oder Passt scho´ 🙂