3 Monate auf dem Rad durch das Herz Europas

T59: Schliersee → Voralpen-Hügelland

Sabine:

Nachdem stündlich einer dieser Züge in der Nacht gefühlt durchs Zelt fuhr, und es ungeplant lange gewitterte, bin ich heute morgen wie gerädert. Kaum geschlafen und zu warm war es auch. …

Wie immer kommt die Erholung beim Radeln. Wenn nicht diese Schotterpisten wären, die sich Radweg nennen. Ich mag sie nicht und Frank auch nicht. Loser Schotter, locker aufgeschüttet, teilweise ist das kaum fahrbar. Und wenn es dann noch bergauf oder steil runter geht, ist die Strecke unschön und verlangt uns grosse Konzentration ab. So kommt uns ein Radler entgegen, ruft laut: „Turbo, kleinster Gang“.

200 Meter später merken wir, was er gemeint hatte: eine sehr steile Schotterpiste kommt auf uns zu. Und trotz der Vorwarnung dauert es nur wenige Meter, bis der Weg zu steil ist, um ihn zu fahren. Schwankend komme ich ins Stehen und es bleibt mir nichts anderes übrig, als den Berg hinauf zu schieben. Zum Glück gibt es diese Schiebehilfe am Rad, welches meine Rettung ist. Der arme Frank mit seinem schweren Gewicht hinten dran muss natürlich auch absteigen, weil ich ihn ausgebremst habe. Fluchend versucht er, wieder ins Fahren zu kommen, doch die Mühe ist umsonst. Keuchend und schwitzend schiebt er sein Gespann hinter mir her und wir sind beide froh, dass es zwar noch immer steinig ist, aber immerhin wieder bergab geht. …

Wieder mal geben wir Gas, weil wir nicht nass werden wollen. Die Wolken türmen sich dunkel und man sieht den Regen schon am Himmel. Aber der tägliche Einkauf steht uns noch bevor und so schwenken wir ein zum „Kaufland“. Wie immer wartet Frank draußen bei den Rädern und ich stürze mich ins Getümmel. Auch dieser Laden ist riesig und ich sehe das immense Obst- und Gemüseangebot, welches ich unter unseren eingeschränkten Bedingungen leider nicht nutzen kann. Auch dieser Einkauf dauert lange und so sind wir froh, als wir endlich voll beladen weiterfahren können. Die Weiterfahrt dauert ungefähr 30 Meter – nämlich bis auf die andere Straßenseite. Da fällt mir mein Korb fast vom Lenker. Es fehlen drei Schrauben, die sich über die Kilometer verabschiedet haben. So kann ich nicht weiterfahren und wir kehren zurück unter das Dach von „Kaufpark“. Ein Blick auf Google Maps zeigt, dass sich ein Baumarkt nur 190 Meter entfernt befindet. Das nenne ich Glück. Während diesmal ich warte, macht sich Frank auf den Weg, um Ersatz zu besorgen. Die Reparatur gestaltet sich dann schnell und einfach. Und wir fahren weiter. Es beginnt zu regnen, super! Und so kommen doch noch die Regenjacken die letzten vier Kilometer zum Einsatz.

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