3 Monate auf dem Rad durch das Herz Europas

T57: Zillertal runter → Bayerisches Inntal

Sabine:

Wir  haben genächtigt in einem wirklich schönen Gästehaus in Fügen. Alt, gediegen, nobel …

… wenn nur die Nacht nicht so besch… gewesen wäre. Nach der extralangen Tour gestern war ich fest überzeugt davon, zu schlafen wie ein Stein – warum haute das nicht hin? Die gewaschenen Haare ohne Gummi fliegen ins Gesicht, das nervt. Das Bett quietscht mich bei jeder Bewegung wach und draußen auf der Straße unterhält man sich ungeniert bis um halb Zwei. Mit Decke ist es zu warm, ohne Decke zu kalt. Zu allem Überfluss drängt es mich dreimal (!) in der Nacht zum WC auf die gemeinsam genutzte Örtlichkeit, mein Schlafanzug ist bei den Zeltsachen im Keller … Kurz: ich habe beschissen bis gar nicht geschlafen und um sieben Uhr morgens niest mich Frank fröhlich wach. 

Nun denn, jetzt schön frühstücken und eine grosse Tasse Kaffee, das wird mich aufmuntern – denke ich und hoffnungsvoll spazieren wir mit dicken Augen ins Frühstückszimmer. Dort ein Schock: Ein brechend voller Raum am Buffet – für uns kein Platz mehr. Ein Gast bedeutet uns, er sei gleich fertig, aber wir wollen ihn nicht drängen und bringen schon mal Gepäck zu unseren Rädern. Dann gibt es auch für uns einen freien Tisch. Es ist ein Kommen und Gehen und mehrfach werden wir gefragt, ob man unsere Teller schon wegräumen bzw. mitnehmen könne? Unter einem gemütlichen Frühstück verstehe ich was anderes, es ist eher eine Massenabfertigung unter Zeitdruck – das hebt weder meine Laune in meinem übermüdeten Zustand noch finde ich es fair. Trotzig genehmige ich mir eine zweite Tasse Kaffee – so! Das haben sie jetzt davon :-))

Die Fahrt am Inn entlang über Kufstein nach Flintsbach gestaltet sich das erste mal nach all den Wochen nass – wir packen tatsächlich die Regensachen aus. Da es keine Freude macht, im Regen zu picknicken, fahren wir mehr oder weniger in einem Rutsch durch. Auf eine dringend benötigte Pause verzichten wir nur ungern und beschließen, in Kufstein zumindest einen Kaffee zu trinken. Der Verkehr ist entsetzlich. Autos, Busse, Straßenmaschinen drängen sich durch die enge Straße. Der Lärm und damit der Stresspegel steigt und so verzichten wir auch auf dieses minimale Vergnügen. Wenn man sein eigenes Wort nicht versteht, ist es doof. Leider werde ich unausstehlich, wenn ich nicht genügend Schlaf bekomme und so bleibt der Tag unschön.

Unter der Autobahnbrücke finden wir einen  Pausenplatz, wo wir wenigstens trocken etwas essen können. Es ist ein Parcour für Skater: Dixiclo vorhanden, Mülleimer vorhanden, Sitzgelegenheit vorhanden. Das ist das beste, was uns auf der Fahrt heute begegnet ist. Und zu unserem Kaffee sind wir einige Kilometer später dann auch noch gekommen. …

Erfreulich ist dann das uralte, wunderschöne Bauernhaus, wo wir genau zu dem Zeitpunkt ankommen, als es so richtig beginnt zu schütten. Ein Huhn kommt uns aus der „Rezeption“ entgegen. Wir erfahren, dass  es ihm nicht gut geht und helfen, ihm eine Weintraube aus dem Rachen zu pulen. Es gibt eine Waschmaschine, die ich nutzen darf – das ist super, weil der Geruch, der aus unseren Taschen dringt, nicht mehr salonfähig ist. … Morgen soll das Wetter gut werden. Und wenn ich nicht so blöd gewesen wäre, ein Waschprogramm mit über drei Stunden zu wählen, würde ich jetzt schon schlafen. …

Schreibe einen Kommentar