Frank: Abschluss des Gewinnspiels vom Tag 42
Leute, Leute … wir haben ein gutes Dutzend „Follower“ auf diesem Blog, doch wo ist eure Phantasie? Hanspeter war der einzige, der eine Idee eingereicht hat: Bei Tag 43 hat er ein umwerfendes Perpetuum mobil mit Magneten vorgestellt und sogar daran gedacht, Feststellbremsen einzubauen, damit das Ding sich nicht selbstständig macht 🙂 Super!
Somit hat Hanspeter – nicht nur außer Konkurrenz, sondern sicherlich hochverdient – das Zirbenschnapserl gewonnen! Herzlichen Glückwunsch :-))
… Und damit die anderen sich nicht grämen oder schämen, hier zur Aufheiterung noch die aktuelle Sammlung weiterer witziger Ortsnamen, die uns auf der Tour begegneten:
Freßnitz, Übelstein, Utschtal, Pichldorf, Knittelfeld, Pausendorf, Schießstätte, Ungern, Kniepaß, Sankt Georgen am Kreischberg, Flatschach, Oberbayrdorf (in Österreich!), Grübl, Radl, Windschnurn, Vorder Siflitz, Stressweg, Schrottenberg, Flaschberg, Altersberg – unweit von Bad Jungbrunn, Tassenbach, Nasen, Mauls, Lurx, Gossensass, Padaun, Oberpfons, Patsch und Pill … Guten Appetit 😉
Sabine:
Es war ein langer Tag, deswegen mal so:
- leckerste Brötchen der ganzen 7 Wochen am Morgen
- vernünftigste Bettdecke – nämlich eine dünne – der ganzen Tour gehabt
- Inntal hinter Innsbruck ist nicht wirklich schön, weil fette Versorgungsmeilen und Verkehr
- Gewitter und Regen 30 Minuten lang mit 2 Rennradfahrern unter einem Vordach verbracht
- … haben festgestellt, dass Rennradfahrer sehr nette Menschen sein können 🙂
- zügig bis zum Ziel (8 km ins Zillertal reingefahren, weil vorher kein bezahlbarer Schlafplatz zu finden war)
- Trotzdem ein tolles Gästehaus mit Gemeinschaftsbad (warum nicht?) (bin aufs Frühstück gespannt)
- super lecker Essen gegangen (hat Frank vorab gegoogelt)
- danach erst 16 Uhr, deswegen Spontanausflug zu Kaffee und Kuchen nach Mayrhofen (da konnte ich in nostalgischen Erinnerungen schwelgen)
- nach insgesamt 92 km heute dann doch etwas müde
- jetzt nur noch duschen und dann eine österreichische Schmonzette gucken mit Alm und Schafen. Und natürlich mit IHR findet IHN. …
Gute Nacht
Frank:
Auch für mich war das heute ein nostalgischer Abstecher, denn als kleiner Junge war ich mit meinen Eltern ein paar Mal im Zillertal … und einmal haben wir in Fügen gewohnt. Ich glaube, es war in Fügen, als ich – nach dem Trinken von Bachwasser, das vermutlich mit Kuhdung o.a. verunreinigt war – eine extrem schlimme Gastritis bekam, die zu einer lebensbedrohlichen Abmagerung führte. Mein Vater wollte mich damals nicht in ein österreichisches Krankenhaus bringen und ist deshalb mit unserem BMW mit 200 Sachen über die Autobahn nach Hause gefahren, um mich dort – in letzter Sekunde, wie die Ärzte sagten – ins Barmer Klinikum zu bringen (lassen wir das mal unkommentiert, ob die Entscheidung richtig war – es ist ja zum Glück nochmals gut gegangen).
Wie jede Woche habe ich heute wieder mit meiner 93-jährigen Mutter telefoniert. Beim letzten Mal war ihr nicht klar, dass wir auf dieser langen Fahrradreise sind, obwohl sie schon sieben Postkarten erhalten hat. Nun gut, sie wirkte bislang nicht dement – aber sehr vergesslich und durcheinander. Heute fragte ich sie nach den Postkarten – und sie wusste sofort, wovon ich spreche: die lägen alle in der Küche und sie staunt immer wieder darüber, wie wir es anstellen, dass auf den Karten Bilder von uns zu sehen sind (machen wir ganz einfach über https://www.mypostcard.com/, aber diese Welt erschließt sich ihr nicht mehr). Es hat mich gefreut, dass sie sich diesmal zu den Karten geäußert und offenbar darüber gefreut hat. … Dann sagte ich ihr, dass wir in Fügen seien und fragte, ob sie wüsste, wo das ist. Sie verneinte. Ich sagte: „Im Zillertal“ und ging davon aus, dass der Groschen nun fallen würde, doch sie meinte nur: „Hab ich schon mal gehört.“ „Weißt du noch, als ich so schwer magenkrank war, dass Papa entschieden hat, so schnell wie möglich nach Hause zu fahren, um mich ins Krankenhaus zu bringen?“ … Und dann musste ich erstaunt feststellen, dass sei auch daran keine Erinnerung mehr hatte. Sie sagte: „Ach Jung, in meinem Alter… Da müsst ihr die Mama ja geschont haben, dass ihr nichts davon erzählt habt.“ – „Wohl kaum, du warst doch dabei. Wir waren alle zusammen im Urlaub im Zillertal“. … Doch es klingelte nichts, sie sagte nur „Hmmm, wirklich? Das ist wohl das Alter“. Dann kamen die üblichen Standardsätze, dass ja alles gut sei, wenn man wüsste, dass die Lieben gesund seien … und das wir uns demnächst bestimmt nochmals sehen würden. Ich sagte ihr, dass wir bis Mitte September noch unterwegs seien und dann gern, worauf sie meinte, dann sei ja schon wieder Winter (womit sie immer andeutet, dass es ihr dann zu ungemütlich ist, um die Wohnung zu verlassen). …
Für mich war das ein ziemlich trauriges Telefonat, denn ich bin nun mit den Erinnerungen an meine Kindheit ganz allein. Das ist der Lauf der Dinge und ich lerne einmal mehr, was man beim Älterwerden so alles hinnehmen muss … oder besser: ich versuche, diese Dinge zu verarbeiten und ganz bewusst anzunehmen. Das funktioniert bisher ganz gut – aber es ist dennoch nicht immer einfach, dorthin zu gelangen.


















2 Kommentare zu „T56: Unterer Inn abwärts → Zillertal hoch“
Lieber Frank
Dein letzter Absatz gilt genauso für mich. Ich kann das alles nachfühlen. Es ist nicht leicht, ich weiß, und es wird auch nicht besser, aber man lernt langsam es zu akzeptieren.
Liebe -andrea-,
ja, es ist nicht leicht … aber es hilft ein wenig, wenn man aus dem Umfeld von ähnlichen Erfahrungen hört. Danke!