3 Monate auf dem Rad durch das Herz Europas

T53: Lienz → Oberes Eisacktal abwärts

Frank:

Wir haben uns beide gut erholt im Urlaub von der Reise 😉 und fanden den Zeitraum genau richtig. Nun waren wir froh, weiter zu fahren. Um mit Ferragosto und der Hitze möglichst wenig zu tun zu haben, haben wir den Wecker auf 6:00 Uhr gestellt und saßen nach zügigem Packen und Frühstück um 7:10 Uhr auf den Rädern. Die Luft war heute sehr klar und bot einen fantastischen Blick auf die Lienzer Dolomiten. Doch nicht nur der Blick war 1A, sondern auch alles andere funktionierte erstaunlich reibungslos: Der Aufzug zum Bahnsteig war kein Problem und der Einstieg in den Niederflurzug erst Recht nicht.

Dann folgte etwas mehr als eine Stunde Bahnfahrt in einem wenig besetzten Zug mit herrlichen Ausblicken auf die Berge zwischen Lienz und Innichen – bzw. die „echten“ Dolomiten. Der Schaffner riet uns, schon in Innichen/San Candido auszusteigen, da der Zug dort immer 20 Min. Aufenthalt hat und man in 15 Min. mit dem Rad in Toblach sei. Auf unsere Frage nach den „5.000 Italienern“ winkte er ab; das sei noch zu früh.

Der Ausstieg in San Candido gestaltete sich noch einfacher: Genügend Zeit und kein Aufzug, sondern ein ebenerdiger Gleisübergang zum Ausgang. Dazu wieder eine grandiose Kulisse … und bald schon ein unglaublich guter Radweg – fast eine Radstraße – nach Toblach. Nun sind wir also in den Dolomiten, die zu den Südalpen gehören und klimageographisch zu den Subtropen gerechnet werden können. Noch spannender fand ich die Tatsache, dass wir vor Toblach wieder eine bedeutende europäische Wasserscheide überquerten, nämlich zwischen der Entwässerung ins Schwarze Meer (Drau über Donau) und in die Adria (Rienz über Eisack und Etsch).

Dann kamen wir an den Toblacher Bahnhof – und tatsächlich standen dort (gegen 9:00 Uhr in der Früh) bereits hunderte Italiener vor einer Radvermietungsstation. Im weiteren Verlauf – bei lange Zeit fantastischem Radwegezustand – kamen uns auch viele Dutzend Radler entgegen, die vermutlich schon vor Toblach losgefahren waren: von ganz alt bis ganz jung. Besonders die Kinder sind ja auf Rädern unberechenbar: Sie schauen überall hin und sind brennend an der Welt interessiert – außer am Gegenverkehr! … Offenbar hatten wir alles richtig gemacht.

Weiter ging es erst entlang des Flusses Rienz durch das berühmte Pustertal. Das hatte ich mir allerdings ganz anders vorgestellt: Tatsächlich sieht man von hier keine schroffen Dolomitberge mehr, sondern nur die rundlichen bewaldeten Vorberge. Allein Brunneck und einige kleinere Orte boten eine sehr schöne Durchfahrt.

Doch je näher wir Brixen und dem Wipptal kamen (durch das alle Verkehrslinien vom Brenner Richtung Italien verlaufen), desto unschöner wurde die Tour. Teilweise folgte der Radweg großen Straßen mit einigen Querstraßen … und dann kamen diverse Umleitungen durch Baumaßnahmen hinzu, die uns in der Summe fast fünf Kilometer mehr kosteten. So kamen wir heute auf 72 km, bislang unsere längste Etappe.

Wir waren ziemlich froh, als wir bei wieder mal deutlich über 30 °C endlich am Campingplatz Vahrner See ankamen. Zum Glück verschwand die Sonne schon gegen 17:45 Uhr hinter dem Berg und so wurde es schnell schattig und kühler. Aber wie gesagt: Hier ist es dauerlaut … und den Gipfel setzte dann noch ein Hubschrauber, der direkt neben dem Campingplatz ein paar Mal startete und landete. Uff!

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