3 Monate auf dem Rad durch das Herz Europas

T39: Steinfeld → Semmeringgebiet

Sabine:

Ohhh … so müde und zerschlagen nach diesem aufregenden Tag gestern. Trotz gutem Schlaf fühlen wir uns heute morgen wie durch den Wolf gedreht. Eigentlich wollen wir wieder früh weg wegen Hitze, aber wir gönnen uns einen Kaffee im Bett, gemütliches Frühstück und schauen einen Film zu Ende, den wir gestern nicht mehr geschafft hatten. 

Und plötzlich ist die Lust wieder da. Zwar ist es schon um 9 Uhr und 28 Grad, aber die Strecke ist nicht so sehr lang. Und es lockt die Vorstellung, ab heute in die Alpen „einzufahren“. So machen wir es, nachdem Frank seine Zahnbürste wiederfindet, die er zielsicher in meinem gleich aussehenden Kulturbeutel versenkt hat. Gestern Abend hat er sich tatsächlich provisorisch den Zahnbürstenkopf mit einem Kabelbinder an den Finger gebunden und sich damit die Zähne geschrubbt. Man muss sich zu helfen wissen. …

Empfindliche Gemüter lesen jetzt mal besser nicht weiter 🙂

Von oben betrachtet (ihr seht es auf der rötlichen Karte mit dem Pfeil) erinnert uns die Form der Alpen an ein Reptil mit Beinen, Kopf und … Popoloch. Das ist die Stelle, wo es heute hingeht. Der Vergleich geht uns nicht mehr aus dem Kopf. Versucht ihr mal, nicht an einen rosa Elefanten zu denken. … Na, woran denkt ihr gerade???

So vergnügen wir uns mit der Vorstellung, auf den Alpenafter zuzufahren. Links sehen wir weiche runde Backen (Hügel) die immer enger zusammen kommen und rechts eher steile Zacken, die  ebenfalls dem oben genannten Punkt zustreben. Es wird enger und enger. … aber der Weg und das Tal sind immer noch flach – wir sind noch nicht drin. Jetzt … jeden Moment muss es doch soweit sein. Diese Minihügel, das sind doch keine Alpen, das sind bestenfalls deren Hämorrhoiden, – befinden wir und strampeln tapfer und zu allem entschlossen auf die Engstelle zu. Da: ein steiler, felsiger Berg, obenauf eine Burg – Burg Klamm –, der sprichwörtliche Schließmuskel und schwupps, wie ein gut geöltes Zäpfchen sind wir drin und gleich darauf erreichen wir unser heutiges Ziel: Schottwien.

Wir dürfen schon eher in die Wohnung, die Vermieterin hatte uns noch während der Fahrt telefonisch die Zusage gemacht. Kühl, hübsch, groß ist sie, leider bewohnt – eindeutig.

Ein Anruf  klärt alles auf: Die Putzdame hat die falsche Wohnung gemacht, sei in 20 Minuten da, Entschuldigung, Entschuldigung, oh, es tut ihr leid.

Was 20 Minuten später hier passiert, kann man nur als Wirbelwind bezeichnen. Eine sehr hübsche, junge, langhaarige junge Frau entschuldigt sich 1000 mal – wie kann man ihr da böse sein 🙂 und bringt im Rekordtempo die Wohnung in Ordnung. So habe ich noch niemanden putzen sehen. Wieselflink huscht sie umher und hinterlässt Räume, die man ablecken könnte. Machen wir aber nicht. Wir haben Kartoffeln und Spinat dabei. …

Morgen haben wir den Semmering-Pass vor uns. Und meine einzige Sorge diesbezüglich ist , dass mein Akku nicht reicht und ich schieben muss. …

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