Frank:
Was für ein Tag!!! Jedoch … meine „Credits“ sind für heute restlos aufgebraucht, deshalb halte ich mich bedeckt und langweile dich nur mit einem kurzen biogeographischen Bericht:
Wie schon gesagt, haben wir die Runde um den Neusiedler See wegen der erneuten Hitzewelle gecancelt und sind stattdessen von Wien gleich südwärts gefahren. Mein Wunsch war, einen Blick oder ein Gefühl von der eurasischen Steppe zu erhaschen, die im Burgenland endet. Wider Erwarten wurde mir dieser Wunsch doch noch erfüllt, denn beim Truppenübungsplatz Großmittel in der Landschaft Steinfeld gibt es tatsächlich noch ein paar größere Felder sog. Steppen-Magerrasen in einem (immer schon) trockenen Klima, das Bäume nur noch an wenigen Standorten gedeihen lässt. Wir fuhren am Westrand entlang – und zu unserer Freude sahen wir auch noch ein paar der wohl typischsten Steppenbewohner: Ziesel, die Präriehunde der eurasischen Steppe. Sie huschten vor uns über die Straße, flitzten neben uns durch das Gras und verschwanden fluchs in ihren Bauen. Zweimal konnte ich das typische Pfeifen hören, ihren Warnruf.
So, genug Biogeo-Gedönse. Nun ist Sabine an der Reihe, die vielfältigen Ereignisse dieses „dunklen Tages“ zu beleuchten 🙁
Sabine:
Heute setze ich noch „einen drauf“, ein weiteres Kapitel zum Thema „So kann es nicht weitergehen“ …
Der Plan ging so:
- sehr früh aufstehen,
- ohne Frühstück losfahren,
- 5 Uhr auf dem Fahrrad,
- 11 Uhr am Ziel,
- zwischendurch Kaffee,
- wieder mal ein Fahrradladen, diesmal vorab gebucht
- Hotel mit Klimaanlage, fertig.
- Kühl entspannen und auf anderes Wetter warten….
Die Wirklichlichkeit war so:
- Nachts Hitze auf dem Zimmer, draußen laut, hektische Stimmen um 2 Uhr nachts, Martinshörner in regelmässigen Abständen, Fenster schließen geht nicht wg. Erstickungsgefahr.
- deswegen die zweite Nacht so gut wie nicht geschlafen
- Wecker 4 Uhr 20 … doch ich war aber sowieso wach
- Auf Frank warten, der muss noch seine Sachen packen, im Blog noch einen Satz ändern, eine Notbanane futtern und zweimal zum Clo.
- Ich bringe schon mal Kiste und 2 Fahrradtaschen nach unten, bin bereits schweißnass. Nicht wegen Runterbringen, sondern wegen Treppen hochlaufen
- Ausbruch aus unserer Zelle, lassen still und leise das Restgepäck aus dem 2. Stock nach unten, um uns die Lauferei zu ersparen … das macht Spass … müüüde …
- 5:45 h: wir sitzen auf dem Fahrrad, der Verkehr erwacht
- Frank muss noch mal zum Clo
- 5:50 h: Start in den Verkehr
- Konzentriert suche ich den Weg, das Intercom verweigere ich noch, will noch Ruhe auf den Ohren haben; Frank hat gut geschlafen und wenn er gut geschlafen, hat, quatscht er ununterbrochen fröhlich in meine Ohren.
- Ich bin erschrocken, wie wenig Kilometer wir erst gefahren sind, gefühlt bin ich schon ewig unterwegs und könnte nach 20 km Frühstück brauchen. Der Tacho sagt aber erst 700 Meter.
- Nach ca. 1 Stunde wird das Fahren leichter, wir sind aus der Großstadt raus und fahren normale Strassen, erreichen den Grüngürtel. Hoffnung flammt auf und wir steuern eine Bank mit Waldblick an. Frühstück ohne Kaffee.
- Weiterfahrt mit Wunsch nach Kaffee
- Bei km 38 habe ich ein dringendes Bedürfnis und muss in einem Miniort ohne Kaffee in einer Montessori-Schule um die Benutzung des WCs bitten. Aufschub nicht möglich – die Kinder gucken mich interessiert an.
- Spontane Vollbremsung an einem Tennisclub, 8:30 h, dort gibt es Kaffee :-)))
- Wir gucken interessiert den Spielerinnen zu (müssen die nicht arbeiten?). Ich könnte über dem Tisch einschlafen
- Frank stöhnt „Scheisse“ und springt auf, rennt zu seinem Fahrrad
- Sein Gürtel mit Portommonaie, Geld, Hausschlüssel, Fahrradschlüssel, Fotoapparat ist weg.
- Ich vermute, sein Herz rast
- … Vermutlich hängt der Gürtel noch an der Frühstücksbank
- Frank muss zum Clo – ihm ist schlecht
- Tennisplatzbetreiberin ist mitfühlend, lässt uns unser Handy laden und gibt ihres heraus, um die Polizei zu benachrichtigen; es ist die falsche Dienststelle.
- Sie sucht die richtige Dienstelle heraus, dort rät man uns, die 112 anzurufen
- 112 erweist sich als hilfreich, bittet um den genauen Standort (ich habe einen screenshot der Karte gemacht) und bittet uns, zur nächsten Polizeiinspektion zu gehen.
- Tennisplatzbetreiberin sucht uns die Adresse aus
- 11 Minuten später fahren wir am Präsidium vor
- 10:30 h: Die Kollegen von der Polizei werden an der Bank gucken gehen. Wir können Koordinaten nachreichen und sollen warten.
- 10:45 h Info: Keine Wertsachen an der Bank gefunden.
- Ich bin nicht mehr müde.
- 11 h : Anruf der suchenden Polizei: Wertsachentasche wurde in einem Gemeindeamt in der Nähe der Verluststelle abgegeben.
Da fiel ein Stein von unseren Herzen, den Rumms müsst ihr bis nach Wuppertal und Umgebung gehört haben,
- Frank ruft ein Taxi, damit es jetzt alles schneller geht, mit dem Fahrrad wären es 2 x 45 Minuten zusätzlich gewesen, es ist heiß draussen,
- Ich schlage mein Campingstühlchen in der Vorhalle des Präsidiums auf, bitte an der Nachbartür (Bezirksgericht) um Laden meines Handys.
- 12:15 h: Frank taucht mit erleichtertem Strahlen im Gesicht wieder auf
- Wir singen ein „omsluter mig“ in der Vorhalle. Der Pförtner des Bezirksgerichtes kann es nicht glauben, verbietet aber den Gesang auch nicht. Akustik super.
- Wir sind gut in der Zeit und fahren weiter.
- Um 14 h Boxenstopp am Fahrradladen, alles ok mit Franks neuem Rad, es muss nichts gemacht werden, die Alpen können kommen.
- Eine letzte Anstrengung und Einkäufe im Lidl am Weg
- 16 h: Hotel, Duschen, Bett, ich kann nicht schlafen, bin aufgewühlt und heiß.
- Frank schmeißt die Klimaanlage an, die dröhnt entsetzlich
… So kann das nicht weitergehen. … !
Frank:
Uuuuh! Was hat das zu bedeuten? Ich sehe gerade, dass (vorausgesetzt, die Tour bleibt weitgehend unverändert bis zum Schluss) kurz hinter Wien – also dort, wo ich meine Tasche liegengelassen habe – streckenmäßig Halbzeit war. …





















3 Kommentare zu „T38: Wien → Steinfeld“
Dieser Beitrag ist besser als jeder Krimi.
Ihr habt schon so viele Hindernisse und Herausforderungen gemeistert.;) Chapeau
Heike & Nobi
Moin!
Die Moral von diesem aufregenden Tag: Den Wecker nicht schon um 4:20 stellen:-)
Weiterhin eine schöne Reise ..
Sowas ähnliches habe ich auch gerade gedacht…