3 Monate auf dem Rad durch das Herz Europas

T37: In Wien

Frank:

Heute stand ein Treffen bevor, auf das ich mich schon sehr lange gefreut hatte: Wir haben Priv.-Doz. Dr. Swen Renner – einen Panda-Ranger der ersten Stunde – in seinem Wirkungskreis im Naturhistorischen Museum Wien besucht. …

Im Rahmen der Veröffentlichung des Schwedenbuches mit dem Trollchor hatte ich mal wieder meine alten Mailkontakte gesichtet, um zu sehen, wer eventuell Interesse an dem Buch haben könnte … oder auch, um einfach mal wieder in Kontakt zu kommen. Swen haben wir (zusammen mit seinen Geschwistern Arnhild und Nordian) bei der Gründung des Wuppertaler Teams des WWF Panda-Clubs 1987 (übrigens drei Tage vor unserer Hochzeit) kennengelernt. Er war damals 12 oder 13 und war von Anfang an ein begeisterter Ranger, der bei allen unseren Aktionen mitgemacht hat. Wir mochten alle drei Renners und auch ihre Eltern waren uns sehr sympathisch. Es gab ein paar Anzeichen, dass Swen eine recht enge Bindung zu uns aufbaute … Bis zur Lapplandtour mit den Rangern 1992 haben wir jedenfalls sehr viele schöne Stunden miteinander verbracht.

Es hat uns sehr gefreut, dass der Kontakt zu Swen – im Gegensatz zu fast allen anderen Ranger-Kontakten – nie ganz abbrach. Vor 15 oder 20 Jahren besuchte er uns einmal kurz in Ronsdorf zusammen mit seiner Lebensgefährtin Marcella (mit der er auch heute noch zusammen lebt). Damals war er beruflich in Washington DC bei der Smithonian Institution.

Seitdem hatten wir nichts mehr voneinander gehört (soweit ich mich erinnere). Doch durch meine unaufgeforderte Buchwerbung mailten wir wieder einmal hin und her – und ich erfuhr, dass er seit einigen Jahren eine Kuratorenstelle im Naturhistorischen Museum Wien hat. Da lag natürlich der Gedanke nahe, ihn dort auf unserer Reise zu treffen. …

Das zur Vorgeschichte … und heute war es dann soweit. Swen hatte zum Glück Zeit, eine Weile mit uns zu quatschen. Wir sollten um 10:00 Uhr am Elefanten vor dem Museum stehen. Welcher Elefant? Das seht ihr dann schon. 😉 Tatsächlich steht ein kleiner Bronzeelefant – der stark an den Wuppertaler Tuffi erinnert (nur ohne Schwebebahn) vor dem Portal des Museums … und dort sahen wir uns dann nach der langen Zeit erstmals wieder.

Es war ein viel zu kurzer, aber gefühlt sehr intensiver und herzlicher Besuch: Swen führte uns durch diverse Hintereingänge ins Museum bis zu seinem Arbeitsplatz. Natürlich erzählte er uns von seiner Arbeit als einziger Vogelkurator Österreichs, zeigte uns einige Bälge und erklärte grob seine Aufgaben (darunter befinden sich übrigens Stücke, die während der zweiten und dritten Weltumsegelung James Cooks gesammelt wurden, also schon 250 Jahre alt sind). Besonders interessant sind seine Forschungen (wenn ich es richtig verstanden habe, macht er die zusammen mit Marcella … sonst korrigiere mich bitte, lieber Swen) zur Fragestellung „Tritt Malaria bei Vögeln häufiger in Wirtschaftswäldern oder Naturwäldern auf?“ Man merkte deutlich, dass er sich dem Thema vollends verschrieben hat … und das bringt neben Datenauswertungen und Schreiberei von Publikationen auch viel Feldforschung (z.B. in Myanmar oder aktuell in Bhutan) mit sich. Spannend und sicherlich wertvoll für die Wissenschaft! …

Obwohl auch Swen ein wenig älter geworden ist 🙂 war er mir mit seinem Schalk und seiner fröhlichen Art zu reden sofort wieder so vertraut wie damals. Und was „die Denke“ anbelangt, so „schwimmen wir sicherlich nach wie vor dicht nebeneinander“!

Mich hat dieses kurze Treffen sehr froh gestimmt, denn ich glaube, dass die Zeit als Panda- bzw. Natur-Ranger bei ihm (und noch einigen anderen Rangern) durchaus Früchte getragen hat, die später „Wurzeln geschlagen haben“ (Ich hoffe, das meine Einschätzung nicht zu hoch gegriffen ist, lieber Swen!?).

Nun hoffen wir, dass es bei dieser Auffrischung des Kontaktes nicht bleibt – und wir uns nochmals wiedersehen!

Danke, Swen!

… Und ganz herzliche Grüße von Swen an Hanspeter, Inga und alle, die ihn noch kennen.

Sabine:

Nein, ich bin kein Großstadtmensch. Obwohl ich mit Staunen und Begeisterung auf die bombastischen Sehenswürdigkeiten von Wien blicke, rauschen die dortigen Sensationen an mir vorüber – ich sehe sie, habe kaum Gelegenheit, sie zu genießen. Der Verkehr überfordert mich und ich mag nicht richtig viele Sehenswürdigkeiten abklappern. Insofern war es ein Geschenk, gestern mit dem Fiaker die entspannte Runde geniessen zu können.

Die Hitze tut ihr Übriges. Wir sind schlapp und zwar interessiert, aber lustlos. Eine Pflicht  können wir  jedoch nicht aufschieben. Da mein Fahrrad am Hinterreifen seit dem Mantelwechsel Luft verliert, bleibt es uns nicht erspart, uns zu kümmern. Der erste Versuch direkt morgens früh beim Fahrradfriseur verläuft erfolglos. Unsere Bitte, einen neuen Schlauch einzuziehen, beantwortet der dort tätige Chef kurzerhand mit „Nein“. Aus. Ende. Immerhin kaufen wir dort eine Luftpumpe  (eine haben wir schon verschlissen), um notfalls immer mal nachpumpen zu können.

Den entscheidenden Tipp gibt uns dann am Vormittag Swen, den wir nach Jahren das erste Mal wiedersehen dürfen: „Versucht es mal bei Fahrrad Cooperative“. Die Adresse gibt er uns direkt dazu und so fahren wir schnellstmöglich dorthin, um unser Problem zu schildern. Sicher könnt ihr euch vorstellen, wie dankbar und erleichtert wir sind, als ein wirklich freundlicher junger Mann sich mein Rad anschaut und verspricht, sich nach der Mittagspause darum zu kümmern. Die Zeit bis dahin verbringen wir sehr gemütlich und natürlich lecker im Café Ritter – auch ein super Tipp von Swen.

Und dann wird mein Fahrrad versorgt. Ich habe den Eindruck, dass der Mechaniker (ist es der Chef?) wirklich kompetent ist. Wir dürfen zuschauen und Fragen stellen. An meinem Schlauch ist kein Leck festzustellen, aber da dieser permanent Luft verliert, muss es diesen Fehler geben und ich erhalte einen neuen Schlauch. Bei der Frage, ob die Bremsen noch ok seien, werden wir aufgeklärt, dass die Bremsscheiben eindeutig zu dünn sind. Und so bin ich stolze Besitzerin einer neuen Bremsscheibe hinten. Kaum wage ich zu bitten, auch vorne mal zu gucken. Aber der Service ist perfekt komplett, die Scheibe wird gemessen, ist ebenfalls zu dünn und so bekomme ich auch vorne noch ein update. Sehr froh bin ich, dass Fahrrad Cooperative sich so unkompliziert und kompetent um uns kümmert. Der Frust wäre zu groß gewesen, die Tour zu unterbrechen, um nach 2 Wochen einen Termin zu bekommen. (Vielleicht hätte ich mich allerdings in dieser Zeit an den Monsterverkehr gewöhnen können … Also nochmals auf diesem Weg: „Dankeschön für die Extra Mühe zwischendurch“).

(Die Qualität unseres Mechanikers zu Hause wird nach diesem Erlebnis allerdings doch sehr fragwürdig. Der Mangel muss schon da sichtbar gewesen sein – da habe ich völliges Vertrauen in die Infos von heute).

Jetzt fasse ich mal zusammen: In Wien haben wir als bleibende Eindrücke erlebt:

  • eine stressige Anfahrt
  • ein stundenlanges Gepäck schleppen
  • ein stressiges Purzeln in einen entspannten Fiaker
  • eine heiße Nacht mit Großstadtlärm
  • ein glücklich machendes Wiedersehen mit Swen
  • einen interessanten Einblick hinter die Kulissen eines Naturhistorischen Museums bzw. die Vogelsammlung
  • freundliche Fahrradmenschen,  die mich nicht im Regen stehen lassen
  • Sachertorte und Mozarttorte
  • Permanentes Knallen der Küchentür im Hotel und
  • einen hitzematten Einkauf, damit wir morgen früh direkt versorgt sind und abhauen können. …

Die Moral der Geschichte: die menschlichen Begegnungen bleiben in Erinnerung. …

4 Kommentare zu „T37: In Wien“

  1. Lieber Frank, liebe Sabine,

    ich schaffe es nicht, eure Tour stetig zu verfolgen, aber (seltene) nächtliche Kopfschmerzen haben mich im richtigen Moment zu eurem Post aus Wien geführt. Wie schön, dass ihr dort Sven Renner wiedereröffnen konntet! Und ich bin mir übrigens ganz sicher, dass bei einigen Rangern viel von der in der Kindheit/Jugend mitunter festen Größe „Panda Ranger“ hängen geblieben ist – und im Einzelfall mitunter den Lebensweg mitbestimmt hat …

    Bezogen auf euer Erlebnis mit der Fahrrad Cooperative in Wien hatten wir auf einer Tandem-Tour nach Kopenhagen eine ganz ähnliche – wunderbare – Erfahrung: Samstagnachmittags (!) wurde uns in einer Fahrradwerkstatt in Berlin mit einer Bremsenreparatur spontan, kompetent und uneitel geholfen. Wir waren auch einfach nur mega-dankbar …

    Habt weiter eine gute Tour, Martin

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    • Lieber Martin,

      irgendwie hatte ich mir gewünscht, dass du gerade auf diesen Beitrag stößt, weil du dich vlt. auch an Swen erinnern kannst und mir ja schon immer gesagt hast, wie sinnvoll meine Natur-Ranger-Arbeit war.

      Ganz liebe Grüße nach No´n, Frank

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    • Lieber Martin, ich hoffe sehr, dass deine Kopfschmerzen wieder besser sind. Kopf ist sooo schrecklich.. und das bei der Hitze,. Liebe Grüße Sabine

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  2. Liebe Sabine
    Ich kann es fühlen. Auch ich bin keine große Städtereisende. Nach einem halben Tag reicht es eigentlich…. Aber Wien ist´s dann schon wert. Wien bei Sonne muss aber auch schön sein. Wir haben es leider bei Regen und Schneefall erlebt und dadurch -ungeplant- Museen besucht und Stadtrundfahrt im Bus gemacht.

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