3 Monate auf dem Rad durch das Herz Europas

T40: Semmeringgebiet → Oberes Mürztal

Frank:

Da wir – wie gesagt – direkt am Beginn der Passsssstraße in die äußersten Ostalpen genächtigt hatten und das Themometer wieder einmal kräftig klettern sollte, haben wir uns vorgenommen, ihm zuvorzukommen und frühzeitig selbst hinauf zu „klettern“. Kurz nach Acht saßen wir also auf den Rädern und strampelten los. Laut Komoot sollte schon im Ort eine extreme Steigung von 29% auf uns warten – was ich jedoch stark bezweifelte. Und in der Tat war das Unsinn. Es gab zwar keine Schilder, die die Steigung auswiesen, aber dabei hätten wir vermutlich schieben müssen – und das blieb glücklicherweise aus.

Sabine verfolgte schon seit Tagen die Sorge, dass der Akku nicht reichen würde. Doch stattdessen zockelten wir stetig mit ø 8 km/h den Berg hinauf – größtenteils über eine alte Passstraße ohne jeglichen Autoverkehr – und Sabines Akku verlor unterwegs auf der 10 km langen Strecke bis auf knapp 1.100 m Meereshöhe nur gut 20% ihres mitgeführten Stroms. So brauchen wir vermutlich auch für die Zukunft keine Überlegungen anstellen, wie man ein Solarpaneel auf den Helmen installieren könnte, ohne bei den Talfahrten abzuheben 😉 Natürlich habe ich darüber nachgedacht, wie ich hier mit meinem Columbus-Trekkingrad hochgeächzt wäre. Ich glaube schon, dass ich es geschafft hätte – aber vermutlich mit schmerzenden Knien und erheblicher Erschöpfung. Es bleibt dabei: die Entscheidung war richtig.

Grundsätzlich trauen wir Komoot und gehen davon aus, dass dieser erste kleine Pass durchaus die steilsten Steigungen aller kommenden Pässe aufzuweisen hat – natürlich nicht die längsten! Aber damit ist Schieben vom Tisch, würde ich vermuten 🙂

Oben auf dem Semmeringpass haben wir erst einmal mit einem viel zu süßen Holunderblütensaft und einem verlängerten Kaffee auf die erfolgreiche Besteigung angestoßen – bei rund 20°C und leichtem Wind: einfach herrlich!

Danach ging es dann rund 40 km erst steil und dann immer seichter bergab (was unseren Stromverbrauch auch nur minimal erhöhte) – zurück in die Hitze des Tales.

Unser Plan war, am späten Mittag schon in der Unterkunft anzukommen, da ab zwei Uhr Gewitter und Regen angesagt waren. Um halb Zwei standen wir vor dem Haus Grazer Straße 36 in Mitterberg. Es sah gar nicht nach Pension aus und auf Klingeln reagierte niemand. Hmmm? Was war nun wieder? … Wir riefen bei der Unterkunft an und erfuhren, dass wir bereits 9 km zu weit gefahren waren. Wohl jeder Ort an der Mürz wird von der Grazer Straße durchquert und die Hausnr. 36 gibt es demnach etliche Male. So bekamen wir heute eine „Kilometerzulage“ am Flüsschen Mürz – man könnte auch sagen, einen „Mürzzuschlag“. Und damit sind wir wieder bei den kuriosen Ortsnamen unserer Reise, denn tatsächlich heißt der Bezirk und eine Stadt hier Mürzzuschlag.

Wollen wir mal sehen, welche witzigen Orte wir seit Linz berührt haben:

Saxen, Ybbs, Kummnußbaum, Dürnrohr, Kleinschönbichl, Langenschönbichl, Pischelsdorf, Langenrohr, Wipfing, Muckendorf, Tuttendörfl, Laxenburg, Natschbach-Loipersbach, Putzmannsdorf, Gloggnitz, Fröschnitz und schließlich Mürzzuschlag.

Sabine:

Warum nehmen wir ein Zimmer oder eine Wohnung?

Der Blick auf die Wetter-app ist schon zur täglichen – auch mehrmals täglichen – Gewohnheit geworden. Droht viel Regen oder gar Gewitter, sind wir uns einig: Im Zelt wollen wir nicht sein.

Machen wir eine Pro- und Contra-Aufstellung, um festzustellen, ob diese Vorgehensweise Sinn macht oder wir sie hinterfragen sollten?

Pro Wohnung oder Zimmer

  • Ich komme leichter aus dem Bett
  • manchmal gibt es einen Kühlschrank (manchmal nicht)
  • es gibt Leselicht (brauch ich aber nicht, weil zu müde)
  • Wenn es gewittert, sind wir sicher (das ist bisher 1 x eingetroffen, obwohl Kachelmann-Wetter es mehrmals fest versprochen hat)
  • es gibt Steckdosen, das Laden unseres Elektroparkes ist einfacher

Contra Wohnung

  • es ist teuer
  • es ist heiß
  • man muss seinen Kram des öfteren in höhere Etagen schleppen und auch wieder runter
  • Manchmal zahlen wir ein Frühstück mit, welches nicht unseren Vorstellungen entspricht
  • Meist sind sowohl Matratze als auch Kissen nicht kompatibel mit unseren Körpergewohnheiten
  • man darf erst 15 Uhr die Wohnstätte beziehen, obwohl es auch schon um 13 Uhr unerträglich heiß ist
  • man muss gut aufpassen, dass man morgens alles wieder mitnimmt
  • gewittert es nicht, hat man umsonst geschwitzt, umsonst gezahlt, umsonst geschleppt, unbequem, heiß und damit schlecht geschlafen

Pro Zelt

  • Man findet immer ein Plätzchen auf dem Campingplatz
  • Man hat sein Zeug direkt vor Ort
  • Die eigene Matte nebst Kissen und Decke ist am bequemsten
  • am Abend wird es ruckzuck kühl
  • bei Hitze kann man sich ungeniert einen Liter kaltes Wasser nach dem anderen über den Kopf schütten (im Hotel wäre dann das Bett nass)
  • Beim Einpacken am Morgen hat man nichts vergessen, wenn der Platz leer ist

Contra Zelt

  • möglicherweise hat man keinen Kühlschrank
  • wenn man Pech hat, ist das WC weit entfernt
  • und wenn es heiß ist, ist es natürlich auch auf dem Campingplatz heiß und bis zum Abend muss man sich in klimatisierten Lidls, Hofers (Aldi) oder Billas aufhalten – oder im Biergarten unter Bäumen und Schirmen ein Bier nach dem Anderen trinken, bis die Sonne gute Nacht sagt.
  • bei Gewitter möchte ich nicht drin liegen

und nun ???????

2 Kommentare zu „T40: Semmeringgebiet → Oberes Mürztal“

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