3 Monate auf dem Rad durch das Herz Europas

T34: Donau abwärts → Wachau

Sabine:

Früh fahren wir los nach einer guten bis perfekten Nacht. Am Morgen gibt es immer wieder Aufbruchstimmung und beste Laune.

Die gute Laune und mein fröhliches Gesicht längt sich etwas nach unten, als wir in der Wachau kilometerlang an Aprikosenbäumen, Walnussbäumen und Weinreben vorbeifahren. Ich komme nämlich wieder nicht dran, bzw. es ist noch nicht reif. So konzentriert geht mein Blick nach seitlich oben, dass ich aufpassen muss, nicht mit den entgegenkommenden Radfahrern zusammenzustoßen. Frank warnt mich von hinten über unser Intercom-Gerät. Dieses hat sich tatsächlich sehr bewährt und wir sind froh, nicht daran gespart zu haben.

Die Donau zeigt sich von ihrer wirklich schönen Seite, ob grün, eisgrau oder doch blau?: Sie ist ein wunderschöner Fluss mit z.Zt. extremem Niedrigwasser. Durch die zahlreichen Staustufen ist es trotzdem für einige Lastschiffe und Kreuzfahrtschiffe möglich, Teile der Donau zu nutzen. Die Landschaft ist abwechslungsreich und wunderschön. Und das schon seit Tagen, so dass trotz all dem Schönen, was wir sehen  und erleben können, eine meditative Gleichförmigkeit vorherrscht. Selbst unser „guck mal, ist das schööööön!“ klingt täglich gesprochen nicht mehr ganz so sensationell. So tritt wohltuende Gewöhnung ein und wir beginnen uns, auf Wien zu freuen. Ein Kaffee hier, mal ein Stück Kuchen dort oder ein Picknick irgendwo. Wir haben immer wieder Spaß, unsere Stühlchen an den schönsten oder schattigsten Stellen aufzustellen, so wie es uns gefällt.

Unser Ziel heute ist Krems. Vor einigen Monaten war es einmal mein Plan, hier in diesem Ort einen Kurs für Maßschuhe zu belegen, das dazugehörige Geschäft sehen wir heute Abend in der Innenstadt. Die Schuhe dort im Fenster haben alle sehr flache Sohlen ohne Vorfußrolle. Deswegen bin ich im Nachhinein froh, diesen teuren Kurs nicht gebucht zu haben. Denn Maßschuh ist nicht gleich Maßschuh.

Frank plant gerade die nächsten Tage und versucht, Übernachtungen zu buchen. Da es wieder sehr heiß werden soll, ist es unser Plan, sehr, sehr, – also ich meine wirklich sehr früh – loszuradeln, um uns dann im Zimmer den Tag zu vertrödeln. Aus demselben Grund haben wir die Schleife um den Neusiedler See kurzentschlossen gestrichen und werden nach Wien direkt auf die Alpen zusteuern.

Übrigens sind wir angenehm überrascht, als wir in der Jugendherberge ankommen, die Telefonnummer, die an der Tür steht anrufen und komplikationslos erklärt bekommen, wie wir in die Unterkunft hineinkommen. Wir haben das ganze Haus für uns allein: Zimmer, Waschküche, Küche, Frühstücksraum, Keller, Kühlschrank.

Apropos Kühlschrank: Es ist ja ein toller Service, in der Herberge einen Gästekühlschrank zur Verfügung zu haben. Beim Öffnen desselben frage ich mich, was das Schild „Gästekühlschrank“ wohl in Wahrheit zu bedeuten hat? Darf ich als Gast da was reinstellen, oder darf ich als Gast rausnehmen, was das Herz begehrt???

Schreibe einen Kommentar