Frank:
Heute war ein sehr entspannter Tag: 46 km kurze Etappe, Deggendorf mit leckerem indischen Essen, schöne Donau-Auenlandschaft, eine Ruine mit Weitblick… Und wir haben es geschafft, die heute durchziehenden Regengebiete so abzupassen, dass wir jedesmal einen Unterschlupf fanden (Unterführung, Inder, Biergarten). Mit heftigem Wind und Regen unter dem Sonnenschirm im Biergarten wurde es ungewohnt kühl – was uns aber nicht im Mindesten gestört hat.
Sabine:
Als wir damals über eine solche XXL-Tour nachdachten, war von vorneherein klar: Es sollte mehr sein als einfach nur Urlaub. Wir wollten eine Erfahrung machen. Eine Erfahrung mit uns selbst und über uns selbst. Wir wollten mit dieser Tour unser Arbeitsleben abschließen und in einen neuen Lebensabschnitt starten mit neuen Vorstellungen, Wünschen, Gedanken und Erfahrungen. Zeit wollten wir haben. Genug Zeit, um aus unserem gewohnten Trott wirklich aussteigen zu können, um uns tatsächlich nach unseren Bedürfnissen zu richten … und vielleicht auch entdecken, was unsere Bedürfnisse wirklich sind? Überraschungen, mit denen wir nicht gerechnet hatten, waren von vornherein mit eingeplant und wurden akzeptiert, ohne eine genaue Vorstellung davon zu haben. Alte Gewohnheiten wollten wir über Bord werfen, und alte Sorgen, Erlebnisse, Gedanken und das gewohnte Leben für eine Zeitlang völlig über Bord werfen, ohne von den kommenden Pflichten getrieben zu werden, so wie es jahrzehntelang gewesen ist. Einfach ohne Gedanken um daheim das Sein genießen, nehmen was kommt, reagieren auf das Jetzt.
Fast vier Wochen sind nun vergangen. Ich habe das Gefühl, wirklich im Jetzt angekommen zu sein. Es hat gedauert. Noch vor Kurzem habe ich mich dabei erwischt, wie ich die Dinge schnell erledige: Schnell das Essen vorbereite, schnell esse, schnell aufräume, schnell das Fahrrad belade, schnell losfahren möchte, zügig ans Ziel kommen will. Zack-zack – erledigt, effizient, strukturiert. Etwas in mir sortiert, plant, hat den Überblick, besteht auf Einhaltung dieser Ordnung. Es nervt mich, wenn Frank seine eigene Ordnung lebt, die von meiner abweicht. Wir haben darüber gesprochen und auch gelacht, aber das so auszuhalten, ist nicht immer einfach. Aber die Länge der Tage hilft mir, zur Ruhe zu kommen. Es ist Zeit genug, ich kann mir die Zeit nehmen. Es ist alles gut. … Und darauf freue ich mich tatsächlich: Diesen neuen Gedanken zu kultivieren und zu üben. Mal sehen, wie es weitergeht. …









