3 Monate auf dem Rad durch das Herz Europas

T26: Regensburg → Obere Donau abwärts

Sabine:

Ich habe ein Problem. Es ist mir unangenehm, aber gegen mein genetisch erworbenes Hamstergen komme ich mit dem Verstand nicht an.

Seit fast 4 Wochen nun radle ich an 5 Milliarden Äpfeln vorbei. An Äpfeln, die nicht an meinem Baum gewachsen sind, sondern an  Bäumen von Menschen, mit denen ich nicht gut Freund bin.

Oder ich sehe Äpfel an Bäumen, die am Weg wachsen. Warum sind diese „freien Bäume“  bestückt mit Millionen von minikleinen Futzels-Früchten, die beim näheren Hinschauen hart, unreif und wurmstichig – und damit uninteressant für meinen Sammeltrieb sind?

Wir radeln durch das Paradies: Die Sonne scheint, die Laune prächtig, Biergärten an jeder Ecke. Deftiges und Süßes in unmittelbarer Nähe – man freut sich, wenn wir als Gast auftauchen, aber: die selbst gepflückten Früchte schmecken besser (und wenn sie zusätzlich noch listig erbeutet werden, dann sind sie auch gesünder, davon bin ich überzeugt).

Da fahren wir an einem Mirabellenbaum vorbei und ich schöpfe Hoffnung – stehe kurz vor der Vollbremsung, da sehe ich eine Frau. Diese hat bereits einen Eimer in der Hand, der ist schon fast voll. Ihr Gartentor steht offen, damit sie leicht an ihre Früchte außerhalb des Zaunes gelangen kann. Mist! Ich trete in die Pedale, hier ist nix zu holen. An wie vielen Walnussbäumen fahren wir vorbei. Die sind frei zugänglich, ich könnte sammeln bis ich schwarz werde. Leider sind die Nüsse noch nicht reif und ich kann deren Entwicklung nicht beschleunigen.

Und am Abend sitze ich auf dem Balkon im 2. Stock, schaue zu den Nachbarn. Es bleibt mir nicht erspart, deren voll hängenden Birnbaum zu bewundern, an den ich ebenfalls nicht rankomme. Meine Mutter, der ich telefonisch mein großes Leid klage, hat schon eine Idee: 

„Such dir eine lange Stange mit einem Nagel dran, dann klappt das.“

Zumindest werde ich daran erinnert, von wem ich dieses Sammelgen geerbt habe. Da ist jemand, der meinen Zwiespalt nachvollziehen kann :-)))

Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass wir noch eine Weile unterwegs sein werden und ich noch Chancen bekomme. … Da klopft unsere Vermieterin an und fragt, ob wir eine frisch gepflückte Gurke aus ihrem Garten haben möchten. Wie nett von ihr! Und ab da bin ich wieder versöhnt :-))

Frank:

Nach der „umgekehrten Hotel-Aufzug-Aktion“ aus dem Keller ins Erdgeschoss in drei Fuhren geht es bei wieder mal fantastischem Wetter (und nicht zu warm) weiter der Donau entlang. Bald kommt der Abstecher hoch zur Walhalla – die wir schon von weitem bewundern können. Doch wir haben beim Frühstück getrödelt, sind erst spät losgefahren und wollen vor den möglichen Gewittern am Ziel sein, sodass ich unser Weg-ist-das-Ziel-Motto aus dem Gepäck hole und einen Verzicht zugunsten des Vorankommens ausspreche. Meine liebe Frau hingegen hat natürlich bemerkt, dass mir das schwer gefallen ist … und als wir direkt unter der Walhalla an einer Straßenunterführung ankommen, macht sie eine Vollbremsung und sagt: „Willst du hochgehen und ich warte hier auf dich?“ In der Tat ist es lange nicht so weit weg wie gedacht und ich stimme zu.

Es dauert höchstens zehn Minuten und ich bin über steile Wege und ungezählte Treppenstufen oben angelangt. Was für ein Gebäude! Erinnert an die Akropolis bzw. den Tempel Parthenon in Athen: Der Walhalla-Tempelkörper ist ungefähr ebenso groß — aber durch Sockel, Treppen und Hanglage wirkt sie deutlich gewaltiger als das griechische Vorbild. Ich denke, die Bilder geben das gut her. Ich habe auch reingeschaut, ohne jedoch ein Ticket zur Betrachtung sämtlicher Büsten und Tafeln zu erwerben. Ich denke, nach weniger als einer halben Stunde war ich wieder unten auf dem Radweg – und um eine tolle Erfahrung reicher. Danke, liebe Sabine! …

Eine ganze Weile später ging der Donauradweg wieder einmal anders weiter als Komoot angab. So standen wir dicht nebeneinander und blickten auf das Navi (das elektronische, nicht das Pferdeschwanz-Navi 😉 ) Ein Passant sah uns und bot uns gleich Hilfe an (wie schon so oft erlebt). Er empfahl uns, auf dieser Donauseite zu bleiben, weil der Weg nach Straubing hier praktisch straßenfrei verlief und auf der anderen Seite einer Bundesstraße folgte. Und beide Wege seien etwa gleich lang. … Doch wir erfuhren, dass solche Angaben grob falsch sein können: Der Weg durch die Felder, den wir schließlich nahmen, war rund fünf Kilometer länger. Nun, schöner war er sicherlich und am Ende war die längere Strecke immer noch kein Problem. Aber hätte ja auch anders sein können.

Straubing hat angeblich die schönste Fußgängerzone Bayerns und tatsächlich gefiel es uns dort – im Biergarten – sehr gut.

Und schlussendlich landeten wir in einer privaten Unterkunft, die von einer sehr lieben Monika geführt wurde, die an alles gedacht hatte! Super!

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