Sabine:
Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude – so sagt man. Auch wir haben es sehr genießen können, eine Idee nach der anderen zu Ende zu denken, die Ausrüstung zu verbessern und anzuschaffen und gleichermaßen in Tagträumen zu schwelgen. So wurde ein Fahrradanhänger angeschafft, nachdem wir auf der Fahrradmesse uns eine Menge Varianten angeschaut haben und wir das Internet nach Bewertungen und Erfahrungen durchforstet hatten. Ein einrädriger Hänger sollte es sein, ein sog. Nachläufer. Der versprach unkompliziertes Nachfolgen hinter dem Rad, Geländegängigkeit auch in unebenem Gelände sowie Robustheit und Stauraum gleichermaßen.
3 regendichte stapelbare Werkzeugkoffer vervollständigten das wichtigste Utensil für den Transport all der Dinge, die wir für 3 Monate mitnehmen wollten. Tragegestelle für das Vorderrad, regendichte Schlafmattenbehältnisse, ein Zusatztarp gegen Sonne und Regen, neue Regenkleidung, schnell trocknende Unterwäsche, Funktionskleidung, Spezial Handgriffe für mein Fahrrad und sogar ein Ersatzakku wurden mit der Zeit organisiert und angebracht.
Und dann war klar: Jetzt wurde eine Testtour interessant und wichtig. So nutzten wir 4 freie Tage, um eine “wie-echt-Erfahrung” zu machen. Mit dem Nötigsten, was man so braucht, für 4 Tage Proviant, eine ausgearbeitete Strecke mit allen Schwierigkeiten, die die große Tour so mit sich bringen könnte: Sehr weit, sehr steil, täglich weiterfahren…
700 Meter war es von unserer Haustür bis nach Ronsdorf Mitte. Aber bereits nach 150 Metern Fahrt war mir klar, dass es ein Problem geben würde. Ich schaffte es gerade so, ohne Unfall den Berg hinunter bis zum Ascheweg zu fahren. Dort bat ich Frank, mein Gespann mal auszuprobieren. Es fehlte nur ein Haar und er hätte sich samt Fahrrad und Hänger auf der Straße lang gemacht. 5 Minuten seit dem ersten Meter und die Laune war im Keller. Wir mussten uns eingestehen, dass wir das Gespann hoffnungslos überladen hatten.
Da blieb nur eine Lösung: Gepäck und Gewicht abladen. Vor der Ronsdorfer Bäckerei luden wir Stühle, Tarp und Wasserflaschen ab, sortierten das Reisegepäck neu und drehten viele Runden mit unterschiedlichen Verladevarianten, bis es uns machbar schien. Das abgeworfene Gepäck durften wir freundlicherweise in der Bäckerei deponieren. Und so konnten wir dann endlich losfahren.
Wir hatten wunderschöne 4 Tage. Über Halver, Iserlohn und Hattingen nach Hause ( 163 km bei 1860 Höhenmetern) Das war schon eine Nummer. Besonders für Frank, der nicht wie ich bequem mit dem E-Bike, sondern alt hergebracht mit seinem “Biobike” unterwegs war. Im Großen und Ganzen hat sich unsere Ausrüstung bewährt. Noch viele Male haben wir unterwegs das Gepäck umsortiert. Von Quer nach längs, leicht nach schwer, vorn nach hinten und andersherum. Es klappte immer besser und wir bekamen Übung. Wir haben gelernt, dass es günstig ist, an steilen Hängen möglichst nicht stehen zu bleiben, weil sonst das Weiterfahren nicht mehr klappt und wir schieben müssen. Dass unsere Stühlchen auf jeden Fall mitgenommen werden müssen, weil wir auch tagsüber eine bequeme Ruhemöglichkeit brauchen!!! Dass wir nur für einen Tag Proviant mitnehmen sollten, weil alles andere zu schwer sein würde. Und dass wir sorgsam mit unseren Kräften haushalten werden müssen und auf unser Wohlbefinden achten müssen. Realisiert haben wir diese Tatsache, als wir Sonntags Nachmittags zu Hause ankamen, nichts mehr weggeräumt haben, Pizza bestellten und uns ab 16:30 h nicht mehr aus dem Betten weg bewegen konnten :-)))



