3 Monate auf dem Rad durch das Herz Europas

Epilog

Sabine und Frank:

Ein Fazit:

Ihr glaubt gar nicht, wie erledigt wir heute morgen aufgewacht sind: Noch lange liegen wir dösend rum, bleischwer und reden ein wenig, kuscheln, können es alles noch gar nicht fassen. Gegen 10 Uhr haben wir folgenden Plan: „Wir zählen bis Drei, stehen dann auf und horchen mal in uns rein, wie es uns geht und ob wir wirklich aufstehen wollen … doch wenn wir lieber wieder ins Bett möchten, dann lassen wir uns einfach nochmals rein fallen“. Gesagt, getan: „Eins-Zwei-Drei“ – Schwupps, stehen wir vor den Betten, müssen lachen und stellen fest, dass es okay ist, jetzt mal zu frühstücken und den Tag zu beginnen.

Es gibt ein Gemisch aus Dingen, die Inga uns geschenkt hat und die restlichen Proviantsachen unserer Reise. Frischen Kaffee aus Reisebechern. …

Es fehlt uns der Elan, obwohl es uns gut geht. Wir können uns noch nicht überwinden, den ganzen Kram aufzuräumen, zu waschen, zu sortieren. Stattdessen besuchen wir nacheinander unsere beiden Nachbarinnen, reden ein wenig. Danach ist Frank hundemüde: Er lässt sich ins Bett fallen und schläft sofort ein. Währenddessen besucht Sabine ihre Kolleginnen im Laden, trifft dort auch Inga und schwatzt ein Momentchen. Das tut gut. Anschließend Besuch bei Nachbarin Angelika, das ist schön. Zwischendurch etwas Wäsche. …

Mittlerweile ist Frank wach geworden. Wir bekommen Hunger und sind so dankbar, dass Essbares im Kühlschrank steht. Sabine hätte nicht die Nerven gehabt, jetzt zu kochen. Wir fühlen uns gut, aber irgendwie am falschen Platz. Wir sind müde, möchten weinen – wissen aber nicht warum. Ist alles nicht schlimm, das wird sich auswachsen. Wir hoffen nur, es dauert keine 78 Tage 🙂

Aber wir sind uns einig: Es war eine großartige Reise mit vielen vielen tollen Erfahrungen, Glücksmomenten und Erlebnissen. Wir haben uns noch einmal ein Stückchen besser kennengelernt und finden, dass wir  trotz gelegentlicher Wortgefechte ein tolles Team sind.

Was haben wir mitgenommen aus diesen elf Wochen?

  • Wir haben eine sehr lange Strecke durch halb Deutschland, ganz Österreich und am Rand der Schweiz, die man auf einem kleinen Globus bereits erkennen könnte, (fast) nur mit eigener Kraft zurückgelegt – und damit ein realistisches Gefühl für die Entfernungen bekommen: Es war seeehr weit – und doch braucht es nur ein paar Tage ohne große Anstrengung, um etwa vom Bodensee nach Wuppertal zu radeln.
  • Das Land – seine Ausmaße, Landschaften, Flüsse, Seen, Wälder und Felder, Städte und Zusammenhänge – ist so für unsere Vorstellung greifbarer, verständlicher, übersichtlicher geworden.
  • Wir haben verstanden, was große Hitze mit uns macht.
  • Wir haben körperliche Grenzen entdeckt, z.B. die Anstrengung, täglich draußen zu sein (vor allem unter stundenlanger Sonneneinstrahlung) und in Bewegung (auch mit E-Motor).
  • Sabine ist bewusst geworden, dass sie sich gestresst fühlt, wenn sie mehrere Dinge gleichzeitig überblicken muss (z.B. Verkehr-Navi-Franks Worte-Fahrrad im Griff haben)
  • Wir haben begonnen zu akzeptieren, ein wenig (aber nur ein wenig :-)) älter geworden zu sein.
  • Gleichzeitig finden wir, dass wir ganz schön fit sind für unser Alter, denn im Grunde fühlten wir uns fast immer – wie immer 🙂
  • Die Trockenheit und Verdorrtheit des ganzen südlichen Deutschlands und Österreichs ist in ihrer ganzen Realität schwer zu ertragen.
  • Sabine hat es viel Überwindung gekostet, eine gefühlte Million reifer Früchte und Nüsse an unendlich vielen scheinbar unberührten Bäumen nicht mitnehmen zu können.
  • Besitz belastet: Wie einfach das Leben ist, wenn man nicht viel braucht.
  • Eigentlich war es noch zu viel Fahren, wir hätten mehr Freizeit benötigt, um all die Eindrücke zu verarbeiten – und manchen der schönen Orte einmal etwas länger zu erforschen.
  • Es ist uns sehr bewusst, wie gut es uns geht, dass wir diese Reise machen konnten – körperlich und mental! (An der Stelle ein von Herzen kommendes „Dankeschön“ an alle, die es uns ermöglicht haben: angefangen von Sabines Chefin, die die lange Zeit abgesegnet hat; weiter zu den Kollegen, die für sie mit gearbeitet haben; über die Nachbarn, die sich gekümmert und mitgedacht haben; bis hin zu unserer Inga, die unseren Haushalt , Post, Pakete, Auto, Womo gemanagt hat; Hanspeter, der uns die ersten drei Tage begleitet und weiter motiviert hat – und all unseren Freunden, die uns moralisch und sonstwie unterstützt und ermutigt haben.)
  • Trotz einiger Widrigkeiten (allerdings nicht zu vergleichen mit den Strapazen so mancher Trekkingtouren, die wir in Lappland gemacht haben) war es eine rundum genussvolle Reise, die uns gleichsam ein Gefühl steter Lebendigkeit gegeben hat.

Es war schön. Würden wir es wieder tun? Nicht so, das war einmalig. … Aber anders ganz bestimmt!

10 Kommentare zu „Epilog“

  1. Hallo Sabine und Frank
    Ich gratuliere euch zu der wunderbaren Radreise, das Durchhaltevermögen muss ich ehrlich sagen hätte ich nicht, dafür höchste Anerkennung von mir. Der Nachmittag mit euch auf dem Campingplatz “ Seehorn“ war sehr unterhaltsam, ich habe viel gelernt von euch. Danke nochmal für den Kaffee.
    Lieben Gruss Rolf

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  2. Liebe Frank und Sabine, was habt Ihr für eine unfassbar lange Radtour gemacht! Mich beeindruckt zunächst einmal das Kompendium an Tagesberichten in diesem Blog😶 Es macht mich im Grunde sprachlos!
    Zwar konnte ich den Blog nicht vollständig verfolgen, aber habe sehr viele Eindrücke von Eurer Reise mitgenommen💚 Eine Auswahl der schönsten Fotos wird vielleicht zu einer Art Gedenkstätte der Achtsamkeit in Eurer Wohnung? –
    Mir haben Eure Reflexionen viel gegeben! Großen Dank dafür❣
    Den guten Wünschen von Monika schließe ich mich gerne an, bzw hoffe, dass sie sich schon erfüllen🤗
    Ich freue mich auf das nächste Wiedersehen im Bioladen😃
    Liebe Grüße, Uwe

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  3. Liebe Sabine, lieber Fränk,

    ein sanfter Übergang in das anstehende Alltagsleben sieht man auf dem Frühstücksbild:
    Den Kaffee trinkt ihr aus den Outdoorbechern, die Euch 78 Tage lang begleitet haben:-)
    Physisch seit ihr zu Hause angekommen, aber Eure Seele hinkt hinterher und ist noch nicht auf den „Stillstand“ eingestellt.

    Wir kennen es von den Lapplandtouren: Bei dieser minimalistischen Art zu reisen wird der Mensch wieder eingenordet.
    Der Fokus liegt auf dem Wesentlichen, und man wertschätzt umso mehr all das, was einen im Alltag umgibt.

    Mir hat es viel Freude bereitet, eure Tour mitzuerleben. Bei mir war es ein morgendliches Ritual den Blog in Text und Bild zu verfolgen. Aber was mache ich jetzt?:-)

    Schön, dass ihr wieder da seit!

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  4. Ihr Lieben,

    Unglaublich, was ihr erlebt und geschafft habt! Ich bewundere euch und freue mich, dass ihr zu einem positiven Resümee dieser so ungewöhnlichen Reise kommt.
    Und bin sehr gespannt, was ihr dann noch persönlich erzählen werdet.

    Lebt euch gut wieder ein und nehmt euch ausreichend Zeit dafür!

    Ganz liebe Grüße, nicht mehr von nebenan, aber trotzdem ganz nah😘

    Monika

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  5. Liebe Sabine, lieber Frank,
    vielen Dank, dass ihr uns so lieb mitgenommen habt auf eure Reise,
    es war stets ein Genuss eure Reiseerlebnisse und Gedanken zu lesen
    und die Bilder zu bestaunen.
    Schön, dass ihr heil wieder zuhause seid!
    Es grüßt und herzt euch
    Silke

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  6. Liebe Sabine,lieber Frank,
    schön das Ihr wohlbehalten zurück seid.
    Ich freue mich auf Euch.🥰

    Ich habe noch 5.Arbeitstage ⏰

    Ganz liebe Grüße Christine 😘

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  7. Wie schön, dass ihr nach der erlebnisreichen Zeit wieder gut zuhause angekommen seid. Und die „Verwirrtheit“ am ersten Morgen zuhause nach so langer Zeit unter „freieren“ Bedingungen kann ich gut erahnen. Wie war das nochmal, nach „Sjaunja-Survival“ das erste Mal wieder im Zug in ein ratterndes Loch pieseln zu müssen – statt ganz unkompliziert draußen!?!

    Grad kann ich nicht schlafen, nachdem mir gestern Abend nach dem Sportabzeichen ein Trainer in zwei Stunden erzählte, wie er mit seinen Kindern innerhalb von sieben Monaten seine Frau an einen bösartigen Gehirntumor verloren hat. Wie wertvoll erscheint es da, dass ihr beide euch zu dieser intensiven Reise aufgemacht habt – eine gemeinsame Zeit und Erfahrung, die euch keiner mehr nehmen kann …

    Jetzt wünsche ich euch, dass es nicht zu lange dauert, euch wieder an die stickige Luft eines Hauses zu gewöhnen und dass euch viele schöne Alltagsmomente begegnen.

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  8. Hallo ihr zwei Abenteurer,

    bevor der Laden hier geschlossen wird, wollen wir noch unsere Hüte ziehen 🎩👒

    – Chapeau – ihr habt es bis zum Ende durchgezogen 👏👏
    – Danke – ihr habt uns auf eure Reise mitgenommen 🚵‍♂️🚵‍♀️
    – Schön – dass ihr gesund und munter zu Hause angekommen seid und so toll empfangen wurdet 😀

    Erholt euch!!!

    Heike & Nobi

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  9. Herzliche Gratulation, liebe Sabine, lieber Frank, zur Zielankunft, zu einem aussergewöhnlichen Erlebnis und zur perfekten Dokumention!

    Liebe Grüsse aus Basel
    Euer Luc

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