Frank:
Zum letzten Mal die beliebte (äh, vielleicht? oder auch nicht?) Kolumne der witzigsten Ortsnamen ab Tag 70:
Maximiliansau, Kuhardt, Heuchelheim, Pfiffligheim, Appenheim, Bubenheim, Gaulsheim, Utzenhain, Osterspai, Spay, Erpel, Unkel, Schmerbroich, Fixheide, Quettingen … und dann kommen nur noch wohlklingende Namen im Bergischen Land – ja, ich kann auch nichts dafür 😉
… Jetzt (15:30 Uhr) sitze ich zwischen noch nicht ausgeräumten Taschen auf einem verstaubten Gartenstuhl auf der Terasse und beginne mit dem letzten Eintrag für radeldidö. Sabine ist unter der Dusche und aus dem Wohnzimmer höre ich die tranige Stimme von Komoot (das Sabine wohl noch nicht beendet hat): „GPS-Signal empfangen.“ Und gleich kommt dann wahrscheinlich der Satz: „Das GPS-Signal ist verloren gegangen. Deine Aufzeichnung wird fortgesetzt, die Position auf der Karte kann jedoch nicht bestimmt werden“ … oder noch besser: „Du bist in der falschen Richtung unterwegs: Schau auf die Karte.“ 😉
Doch es kommt ganz anders: 15:39 Uhr – Sabine kommt frisch geduscht an die Terassentür und sagt: „Wir müssen reden. Ich möchte jetzt so schnell wie möglich zu meinen Eltern fahren.“ … „Okay, dann schreibe ich danach weiter – kein Ding.“
…
Was soll ich sagen? Es ist ein extrem komisches Gefühl, einfach so wieder hier anzukommen. Die Wohnung verströmt einen altbekannten, wohligen Geruch. Die Hecke ist geschnitten (Katharina?), Inga hat gesaugt und die Spinnweben entfernt, das Bett verlockt zum sofortigen „einfallen“. Puh, geschafft!
Ganz bewusst habe ich heute meinen Akku ausgereizt und seit Bonn nicht mehr geladen. Am Blaffertsberg bei rund 9% Steigung habe ich noch einen Balken (~10%) und die Motorleistung geht erheblich zurück … ich muss treten wie mit meinem alten Rad. In der Scheidtstraße zeigt mein Display dann noch maximal 2 Kilometer Restreichweite an. Passt 😉
Doch was ist dieser Technikkram gegen die Emotionalität, die uns dann ereilte … wie ihr in Sabines Beitrag lesen könnt:
Sabine:
Emotionalität bis zum Schluss!
Nach einer guten Nacht erwartet uns ein gemütliches Frühstück auf Andreas Terrasse, aber aus der Gemütlichkeit wird schnell der Drang, jetzt auch wirklich, endlich zu Hause anzukommen. Ein letztes Foto, ein letztes Winken und „Schön war’s bei euch“ und wir befinden uns auf der Zielgeraden. Es ist eine leichte Strecke (trotz Aufstieg ins Bergische Land): Über Opladen, Burscheid, Wermelskirchen, Lennep. …
In Wermelskirchen gönnen wir uns den letzten Kaffee der Reise, wollen noch nicht endgültig abschließen. Es ist ein merkwürdiges Gefühl: traurig, erwartungsfroh, vorfreudig, hinauszögernd. Wie wird es sein, anzukommen? fragen wir uns. Ganz normal, irgendwie wie immer, sagt der Verstand. Und als wir um 12 Uhr 30 tatsächlich auf unsere Einfahrt abbiegen, ist es auch fast wie immer.
Wir wollen einen innerlichen Punkt setzen … aber dann überwältigt uns das freundliche und wohlwollende Willkommen unserer Nachbarn und Freunde. Der Garten ist geschmückt mit großen Buchstaben, einem tollen Schild und Willkommensgrüßen im Blumenkasten, mit Blumen, Sekt, Weizenbier und Karten. Frank ist gerührt, ich heule direkt mal los, unfähig die angestauten Emotionen noch länger unter Verschluss zu halten. Soooo lieb von Euch! Viiiiiielen Dank!!!! Unglaublich.
Halbwegs gefasst schließen wir die Haustür auf, werden empfangen vom nächsten „Herzlich Willkommen“ an unserer Wohnungstür, Frank flitzt zum WC :-))
Da hängt im Wohnzimmer eine Girlande mit Bildern unserer Tour. Nett aufgereiht mit Blümchen dazwischen. Ich kann nur noch heulen. Freue mich so sehr. Die Überraschung ist gelungen, unglaublich! – Als Frank kommt und sieht, was da hängt, ist es auch um ihn geschehen. Eigentlich ist er ja immer der „Coole“ und ich die „Heulsuse“, aber jetzt übermannt es ihn auch – und wir müssen uns gemeinsam erstmal wieder fangen.
Sicher könnt ihr euch schon denken, was wir beide tun, als wir mühsam wieder gefasst in unserem Kühlschrank Kuchen, Suppe und Karte entdecken. … Aber ich versichere euch, es ist nicht Trauer, die uns Tränen vergießen lässt, sondern die Freude darüber, dass ihr alle so lieb an uns gedacht habt!
Damaris, die uns regelmäßig auf dem Laufenden hielt und noch die allerletzten Wetterneuigkeiten bereithielt, war glücklicherweise zu Hause, um bereitwillig ein letztes Foto von uns zu schießen.
Es dauert, bis wir soweit sind, dass wir irgendwas in Angriff nehmen können. Duschen will ich, und Frank will die Räder abladen. Da taucht überraschenderweise Inga auf, hat Blumen dabei, Leckereien, etwas abgehetzt, weil sie uns nicht verpassen wollte. Könnt ihr euch vorstellen, was wir da gemacht haben??? Richtig: Zweite Runde unter Lachen Spannungen wegweinen … das muss jetzt aufhören, sonst kann ich nicht mehr.
Tut es bald, ich verschiebe das Duschen, wir tauschen im Groben unsere Erlebnisse der letzten drei Monate aus, dann hat Inga ihren nächsten Termin und ich komme endlich unter die Dusche. Ahhhhhhhh … ist das schön! Einen Anruf kann ich nicht entgegennehmen, es ist zu viel – ich kann nicht mehr, werde mich aber morgen melden, liebe Angelika. 🙂
Der Abend klingt aus mit einem Besuch bei meinen Eltern. Wir werden bekocht, verwöhnt, und auch hier wird gefragt, erzählt und berichtet. Jetzt will ich nur noch eines: nicht aufräumen, nicht waschen, nicht sortieren, nur noch diesen Bericht schreiben und dann ins Bett. Morgen ist auch noch ein Tag, morgen werde ich „Radeldidö“ zu Ende bringen. Ich danke euch ALLEN! Was für ein Tag. …

























2 Kommentare zu „T78: Kölner Bucht → Wuppertal-Ronsdorf“
Vielen Dank, dass ihr mich/uns an eurem Abenteuer, genannt „Reise“ habt teilnehmen lassen. Es war wunderbar eure Berichte zu Gesehenem, Erlebtem und Erfahrenem zu lesen. Und auch an euren Gedanken und Gefühlen teilhaben zu dürfen.
Ich hab übrigens auch heute wieder ein Lieblingsfoto: Das drittletzte. Man sieht euch einfach an, wie glücklich ihr seid, diese Tour zusammen gemacht zu haben – wie glücklich ihr miteinander seid 🫶.
Weiterhin gutes Ankommen. Das dauert nämlich noch einige Zeit, bis ihr wirklich wieder da seid. Nehmt euch diese Zeit.
Oh ja, liebe Andrea, vielen Dank! Wir rechnen damit, dass es etwas dauert, sind darauf vorbereitet:-) So ganz,ganz ist es ja auch noch nicht vorbei, wir müssen ja noch das Rad abholen…