Sabine:
Relativ unlustig schaufeln wir uns heute aus dem Bett. Gestern Abend hat uns die Chefin des Hauses – eine kleine Chinesin oder Thailänderin (ich habe kein geschultes Auge dafür) – deutlich gesagt: „Akt Uha Flüstück … hiea!“ Da wagen wir nicht zu spät zu erscheinen. Wir freuen uns dann über warme Brötchen, Ei, Joghurt, Obst und leckeren Kaffee. Ein wenig plaudern wir mit der Dame – sie ist sehr nett – erzählt, dass sie unser freies Zimmer gestern eigentlich sperren wollte, weil sie so viel Arbeit habe. Als wir erzählen, dass wir bereits neun Wochen unterwegs sind, kann sie es nicht glauben, ihr fällt fast das Gesicht herunter.
„Neun Wochen? Nein!!!, neun Wochen, das ist viiiiel“.
„Ja, das ist es“.
„Neun Wochen! Sswei oder dei, das is genug. Wenn nok mal fahlen, sswei oder dei Wochen, vespechen! soo viel, muss alles bessahlen, is teua. Muss du machen dei Wochen. …“
Trotz all ihrer Empörung über über unseren ausschweifenden Lebenswandel findet sie, dass wir uns gut gehalten haben, höchstens 50 Jahre alt aussehen. Und sie schenkt uns Schweizer Schokolade: „Ik gebe Enelgie fül fahlen, bauchen Enelgie. …“
Dermaßen gestärkt und mental aufgebaut schwingen wir uns auf die Drahtesel, werden die militärisch/zackig auftretende Hauswirtin in wirklich netter Erinnerung behalten. 🙂
Und eine weitere Freude erwartet uns nach 50 km steppenartigem, heißen Rheintal: Die Erlaubnis zur Benutzung einer Waschmaschine in der nächsten Unterkunft. Die jungen Gastgeber haben viel Verständnis, als ich ihnen beichte, dass ich kaum die Fahrradtaschen öffnen mag, weil es mittlerweile gar zu streng daraus….. Sie nicken verständnisvoll und lachen: „Das kennen wir auch“.
Heute Nachmittag verbringen wir sehr faul im Bett. Frank kann sowieso nicht rausgehen, seine gesamte (!) Kleidung ist in der Maschine 😉 und wir genießen das Rumliegen, putzen die Kiste mit den Essensachen richtig aus und sortieren alles nochmals neu.
Den Plan, ein Stück mit dem Schiff abzukürzen, verwerfen wir wieder. Ist zu teuer für den Spaß und guten Zuspruch und Durchhalteparolen haben wir ja auch von zu Hause bekommen. :-))
Frank:
Vielleicht fragst du dich, wie man solch eine lange, individuelle Route im Detail mit Komoot plant. Dafür gibt es ja keine vorgefertigten gpx-Trails, die man einfach hochladen könnte – schon allein wegen der Abweichungen, um die gefundenen Übernachtungsplätze anzusteuern. Ich benutze dazu zum einen Komoot und zum anderen das Radwegetool Waymarked Trails (hier das Bspl. Rheinradweg). Das erleichtert die Grobplanung, denn es macht natürlich Sinn, möglichst vielen Fernrouten zu folgen: Hier ist die Chance hoch, dass es sich um gut ausgebaute Radwege, wenig Hauptstraßen, ausreichend Infrastruktur und schöne Landschaften handelt. Dort kann man ausgewählte Routen dann als gpx downloaden … und anschließend bei Komoot wieder uploaden – denkt man!
Doch leider sind die Tracks in viele kleine Einzelstücke zerhackt, sodass es mühsam … und unpraktisch ist, sie alle hochzuladen. Ich mache das dann in der Regel manuell: Schau auf Waymarked Trails und übertrage das auf Komoot, indem ich dort entspreche Punkte setze, um eine Route zu definieren. Hier bei der Rheinroute zwischen Schwarzwald und Vogesen klappt das nur sehr bedingt, während es z.B. an der Drau ganz einfach funktionierte. Die Drau „kennt“ Komoot offenbar, die Rheinroute eher nicht. So muss man halt viele Zwischenpunkte setzen, um die richtige Route zu erhalten (mag sein, dass es noch einen anderen Weg gibt, doch ich finde das so ganz in Ordnung, da ich so viele Details vorab erkenne, Fehler korrigieren und die Route optimieren kann). …
Und trotz haarkleiner Vorarbeit (die ich jeden Abend vor oder nach radeldidö (meist) für den übernächsten Tag mache (nachdem wir eine Übernachtungsmöglichkeit gefunden haben) weichen die Routen immer mal wieder ab: Auch Waymarked Trails ist eben nur Theorie – die Praxis legen die Leute fest, die die Hinweisschilder an den Radwegen installieren (oder auch mal vergessen oder falsch anbringen).
Das führt dann fast täglich zu: „Äh, das Schild zeigt rechts?“ – „Ich folge der blauen Linie und was die Erna sagt und die sagte `links´.“ – „Ja schon, aber so kommen wir auf eine stark befahrene Hauptstraße! Vielleicht ist die offizielle Route besser?“ – „Okay, was machen wir jetzt?“ (während wir sozusagen mitten auf einer Kreuzung stehen) – „Vor allem weg hier!“ – „Und wohin?“ – „… Egal, ich folge einfach nur dem Pferdeschwanz.“ – „Wenn es denn so wäre!“ …
Nun, diese kleinen Geschichten hatten wir schon. Vor der Intercom-Ära kamen nur noch einige „Hä?“ dazu und noch mehr Fragezeichen 😉


















2 Kommentare zu „T66: Hochrhein abwärts → Tafeljura“
Wie bei z. B. WhatsApp möglich, möchte ich des Öfteren ein ❤️ klicken , wenn mir ein Foto sehr gefällt. Geht leider nicht. Heute hätte mindestens das Bild „ohne Worte“ ein ganz dickes ❤️ von mir bekommen.
Liebe Andrea, stimmt, das wäre eine schöne Zusatzfunktion gewesen. Das Bild vor dem Rheinfall gefällt uns auch sehr gut – obwohl wir skeptisch waren, weil der asiatische Passant, den wir angesprochen hatten, recht seltsame Positionen vorgeschlagen hatte 😉