3 Monate auf dem Rad durch das Herz Europas

T67: Hochrhein abwärts → Basel

Sabine:

66 km nach Basel … das ist heute das Ziel. Für den Vormittag ist eine Gewitterfront angesagt und am Abend haben wir eine Verabredung mit einem Bekannten von Frank. Also los. Da im Hotel in der Nacht Party war und wir deswegen länger geschlafen haben, beginnt der Tag schon prinzipiell zu spät. Macht nix. Los!

Vielleicht fünf Kilometer sind wir unterwegs, da schlägt Frank vor, Unterschlupf zu suchen, weil der Himmel so dunkel aussieht. Und kurz entschlossen biegen wir ein zu einem Wartehäuschen aus Glas eines kleinen Bahnhofes. Der Himmel grollt bereits und dicke Wolken rasen über den Himmel. In der Ferne gewittert es. Wir schieben die Räder noch dichter unter das Dach, machen uns die Mühe, auch den Hänger abzukoppeln und mit in die Ecke zu schieben. Und da geht es auch schon los. Wir retten uns in den Mini-Warteraum, eine Glaskabine. Glück gehabt – kann ich nur sagen, denn dann bricht das Unwetter richtig über uns herein. Das Gewitter ist genau über uns. Es blitzt und kracht und beginnt zu regnen, nein zu schütten, nein … der Sturm peitscht mit Geheule Wassermengen waagerecht an die Scheiben des Häuschens. Und dann beginnt es noch zu hageln, unfassbar. In diesem Wetter möchten wir nicht draußen sein, wir staunen, wie die Naturgewalten sich austoben. Die Wassermengen, die vom Himmel fallen, überschwemmen die Straße, die Kanäle fassen die Regenmengen nicht und laufen gurgelnd über. In der Ferne hören wir Martinshörner. Vermutlich läuft gerade der ein oder andere Keller voll. 20 Minuten dauert der Spuk, dann lässt der Regen nach und wir hoffen, dass unsere Schlafrollen dicht geblieben sind. Trotz Dach über den Rädern ist alles pitschnass.

Es grollt nur noch von Ferne und wir fahren weiter – haben ja eine lange Strecke vor uns. Es sind bis 14 Uhr Unwetter vorhergesagt und wir treten in die Pedale, wollen weit kommen, bevor der nächste Schwung uns einholt.  Natürlich dauert es nicht lange, da wird es wieder dunkel. Diesmal sind wir nicht in der Nähe einer Ortschaft, sondern zwischen zwei Rheinarmen auf einem Waldweg. Jetzt werden wir nass. Da wir keine Wahl haben, geben wir Gas. Es ist nicht mehr so schlimm wie beim ersten Mal, aber die Nässe und der sandige Matsch sorgen dafür, dass wir bald völlig eingesaut und bis zu den Ohren dreckig und sandig sind. 

Noch einige Male suchen wir Schutz auf: Unter dem Riesendach eines OBI-Marktes, in der Halle eines Sägewerkes, unter dem Balkon eines Wohnhauses, unter einer Brücke.

Der Sturm hat viele Äste von klein bis groß von den Bäumen gerissen – überall treffen wir auf die zerstörerischen Spuren der Unwetter. Aber nach einigen Stunden lässt die Gewitterneigung nach und wir trocknen vor uns hin, können den Sand etwas von Taschen und Packrollen wischen und haben wieder beste Laune. Er ist lang, dieser Tag und recht erledigt treffen wir in Basel bzw. Weil am Rhein ein, breiten alles, was nass geworden ist, im Hotelzimmer auf Stühlen und Betten aus und freuen uns darauf, gleich abgeholt zu werden. …

Über die Wikipedia-Plattform hat  Frank Kontakt zu einem in Basel ansässigen Rechtsanwalt bekommen. Da beide an ähnlichen Themen und Artikeln interessiert sind, und schon des Öfteren telefoniert und gesprochen haben, ist es heute eine schöne Gelegenheit, sich persönlich kennenzulernen. Luc hat Verständnis für uns abgewrackte Langzeitradler und holt uns am Abend  im Hotel ab, so dass wir uns bei einem sehr leckeren Essen viel erzählen können. Es war nur ein kurzes Treffen, aber es hat Spaß gemacht – und nun sind wir froh, für heute „Feierabend“ machen zu können.

Vielen Dank, Luc, für den schönen Abend. 🙂

2 Kommentare zu „T67: Hochrhein abwärts → Basel“

  1. Ja, liebe Sabine, das war schön, Dich und Frank einmal persönlich zu treffen. Frank, der kundige Wikipedianer, hat vor Jahren mein Lebenswerk, das Projekt „Einheit der Wissenschaft und echtes Studium generale“, auf Wikipedia bekannt gemacht, wofür ich ihm zutiefst dankbar bin. Dabei gab uns vor allem unsere gemeinsame Begeisterung für die Idee einer universalen Evolution Anlass zu zahlreichen Telefonaten und Mails. An einem gemeinsamen Nachtessen über Gott und die Welt mit Dir und Frank sprechen zu können, war ein Vergnügen.

    Und Eure Erlebnisse auf Eurer beeindruckend langen Radreise zeigten die einfachen, aber zentralen Umstände unseres Lebens auf, so die stete Suche nach Lebensmittelläden auf der Route. So haben wir alle einen Magen, der uns zwingt, uns am Getriebe dieser Welt zu beteiligen, wie Albert Einstein in seinen autobiografischen Notizen festgestellt hatte.

    Ich wünsche Euch einen guten Schluss Eurer Reise rund um München und sende Euch herzliche Grüsse, Euer Luc.

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    • Lieber Luc,
      wie schön, dass aus Wikipedia-Zeilen, Mails und Telefonaten nun ein echtes Abendessen „über Gott und die Welt“ geworden ist. Und ja: Selbst die universale Evolution kommt offenbar nicht ohne Bäckerei, Supermarkt und gelegentliche Kohlenhydrate aus. 😉 Herzlichen Dank für Deine lieben Worte — wir nehmen sie als geistigen Proviant mit auf die letzten 500 Kilometer! Herzliche Grüße … an dich und alle Leser

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