3 Monate auf dem Rad durch das Herz Europas

T47: Oberes Liesertal → Oberes Drautal

Frank:

War das gestern Abend ein Gewitter! Es gab zwar im Zimmer kein TV-Gerät, doch Fern-sehen mit einem grandiosen Programm war durch das Zimmerfenster nicht schlechter als ein mittelmäßiger Film. … Und als wir am nächsten Morgen aufwachten, ging dieses Fern-sehen unvermittelt weiter – wie man auf den Bildern sehen kann. Man konnte aus dem Fenster unter, in und über die Wolken sehen: Das Gmeineck-Massiv und rechts davon die Berge der Reißeckgruppe glühten rötlich und noch weiter rechts bzw. nördlich erhob sich die 3.360 m hohe Hochalmspitze der Ankogelgruppe (alle gemeinsam südliche Berge der Hohen Tauern) ins strahlende Blau des Himmels.

Wo wir schon bei der Geografie sind: Heute fuhren wir vom Liesertal ins Obere Drautal, um damit die Grenze zwischen den Zentral- und Südalpen zu erreichen. Hinter Lienz durchqueren wir dann das prägende Gebirge der Südalpen: die Dolomiten.

Doch soweit sind wir noch nicht. Heute lagen erst einmal 60 km hinunter zur Drau und dann flussaufwärts bis zur Siedlung Berg im Drautal vor uns. Das Wetter war herrlich: Erst große Wolkenfelder, die sich nur sehr langsam auflösten, dann viel Sonne und erträgliche Wärme. Dazu allenthalben ein kühler Fahrtwind – so mögen wir den Sommer am liebsten. Die Drau ist einer der ganz wenigen unverbauten Flüsse in den Alpen und damit von besonderem Naturwert.

Tagesziel war eine Art Hütten-Campingplatz am Drau-Radweg: Neben dem Hotel Sandhof stehen dort sechs Hütten auf einer ebenen Wiese, die vom Hotel vermietet werden. Ein sehr schöner Ort für den Abend.

Auch wenn wir von morgen bis Donnerstag erst einmal Radelpause in einer FeWo in Lienz einlegen werden, machen wir uns bereits Gedanken über die danach folgenden Tage. Leider hat sich die Gewitterprognose ausgeweitet und ich stehe ein wenig unter dem Eindruck der Berichte über die Unwetter im Salzburger Land und habe nicht die geringste Lust, etwas Ähnliches im Zelt zu erleben. … Doch so kurzfristig ist es sehr schwierig, im ohnehin hochpreisigen Südtirol bezahlbare Unterkünfte zu finden. Das Thema wird uns sicher die nächsten zwei, drei Tage noch beschäftigen. Und ein Radladen zum Bremsencheck in Lienz, den ich angeschrieben hatte, hat auch noch nicht geantwortet. Du siehst, bei solch einer langen, kaum planbaren Reise, wird es nicht langweilig – und es hilft durchaus, das Börsl guet gfüllt zu haben.

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