3 Monate auf dem Rad durch das Herz Europas

T41: Oberes Mürztal → Oberes Murtal

Sabine:

So darf es gerne weitergehen 🙂

Obwohl auch diese Nacht nicht wirklich gut war (Der Straßenlärm macht mich kirre) und wir heute morgen noch immer eine gewisse Erschöpfung wahrnehmen, packen wir auch heute unseren Kram und radeln los. Es hat geregnet in der Nacht, die Straßen sind nass und dicker Nebel liegt in den Tälern. Unsere Erschöpfung schieben wir auf ein Gemisch aus Hitze, langer Bergetappe und vielen Eindrücken. Nicht wirklich schlimm, aber etwas unterschwellig ausgelaugt. Wir rufen uns ins Gedächtnis, diese Reise zu  radeln, um auch solche Befindlichkeiten zu ergründen und um zu lernen, mit ihnen umzugehen. So nehmen wir uns vor, das Gepäck gaaanz langsam zu bewegen, alles gemütlich zu machen und auch die ca. 50 km lange heutige Strecke wie die Rentner abzuradeln.

Nach wie vor schlucken wir Elektrolyte, B-Vitamine und Magnesium/Calcium/D3 und trinken nach Plan – nicht nach Durst. Das hat sich bisher sehr bewährt: Frank ist es nicht mehr schummrig, das Körpergefühl ist sehr gut und wir haben nicht den Eindruck eines körperlichen Mangels oder Defektes. 

Da es noch nicht sehr heiß ist, macht auch heute das Fahren richtig Freude und jede kleine Lustlosigkeit verfliegt auf dem Rad. Die Wolken steigen höher, die Temperatur ist prima und wir bekommen schöne Einblicke in das Mürztal und die umliegenden Berge. Felsen können wir nicht sehen, die Landschaft erinnert uns ein wenig an den Harz. Es wird „österreichischer“: wir freuen uns an Kühen und Kälbern, dem Blick in die Berge und dem Gefühl, ins Abenteuer hineinzufahren. Laune bestens, wir erholen uns auf dem Rad. Selbst die immer noch schmerzenden Schläge unter das Hinterteil bei Bodenwellen wissen wir durch „Po zusammenkneifen“ abzumildern. Eine Kaffeepause im hübschen Bruck an der Mur unter einem großen Sonnenschirm mitten auf dem Marktplatz erhöht unser Wohlbefinden und die Zufriedenheit nochmals. Und wir sind uns einig: Das ist so oberaffengeil, dass wir diese Reise machen dürfen und können!

Auf einer Bank am Fluss machen wir eine Zusatzpause – Zeit haben wir wirklich genug – um den gegenüberliegenden Berg anzuschauen. Dass das ein- oder andere Liedchen sich aufdrängt, gesungen werden will, können wir gar nicht verhindern 🙂 So entspannt sind wir, dass es stimmlich richtig gut klappt und wir uns nicht zu schade sind, weiter zu singen, auch wenn Radfahrer oder Spaziergänger vorbeikommen. Die freut es – ich habe nur lächelnde Gesichter gesehen.

Unser Ziel heute ist Leoben. Die letzten 4 km führen an einer belebten Straße entlang und ich befürchte schon das Schlimmste für die Nacht. Aber schließlich stehen wir abseits des großen Verkehrs an einem Gebäude, das uns an alte Bahnhofsgebäude erinnert: Dachstuhl und Fenster uralt, bröselnd, drei Stockwerke hoch, Spitzdach, eine alte, verschossene Eichentür. Aber als wir nach einigem Hin- und Her endlich eintreten können, sind wir begeistert: die Räume kühl, hoch, blitzsauber, moderne und schlichte Einrichtung, Waschmaschine und ein Ventilator :-))). Die Räder stehen hinter dem Haus im Schatten und so kennt unsere aufseufzende Zufriedenheit keine Grenze mehr. Wir werden es ruhig angehen lassen und heute in der Küche unser Notessen kochen: Nudeln mit Tomatensauce. Das sonntägliche Essen-Gehen schieben wir auf morgen. Perfekt!

So darf es gerne weitergehen. …

Frank:

Wenn es mir so richtig gut geht (was sehr oft der Fall ist, auch wenn ich zeitweise klage 😉 ), dann fange ich gern und viel an zu blödeln. Mit den Intercoms ist Sabine immer auf dem Laufenden, was mir da so gerade durch die Hirnwindungen rauscht und aus dem Mund fällt – ob sie will oder nicht :-))

Kleine Kostprobe gefällig:

Ich singe: „Im Mürzen der Fränki, der fährt durch die Au, er sucht eine Fewo für sich und sei Frau. Die Drau is no ferne, die Mur is no do, und wenn’s no sehr lang geht, da braucht er an Clo.“ – Kalauer: „MÜRZ, ist das die österrichische Form von Hapes HURZ? … Hmmm, ist eigentlich Schnurz.“ – Ich singe wieder: „Es war mal ein Bienchen aus Wuppertal, die fuhr mit dem Rad durch das Mürzental. Sie hatte gar viel auf dem Rade, und fuhr über holprige Pfade. Und wenn das hier so weitergeht, dann ist es bald für sie zu spät; dann hat ihr Popo Beulen und deshalb wird sie heulen. Dumm diedel die diedel die dumm! …“ – Kommentar über einen vorbeifahrenden Radler: „Hä? Hast du den gesehen? Das Rad mit winzigen Rollerreifen, der Rahmen hoch wie ein Ross, fette Packtaschen vorn … und der hat einen Helm mit rundum Sonnenschutz auf – in Quietschgelb. Ein gelber Helm-Sombrero. Olé!“ – Kommentar nach Navigationsfehler (voller tiefgreifendem Respekt natürlich!): „Nu, sach ma! Was’n das für’n Manöver? Das geht doch gor nich! Sowas machste zu Hause in Dräsdn doch ooch nich. Nu war de janze Mühe für de Katz, un ich muss hier umständlich wenden. So’n Malöör! De Wende war ’89 – un die hat hier nischt zu suchen.“ … Okay, genug zum Affen gemacht.

Har det bra – moch´s man guut – Servus!

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