Sabine:
Wenn das Essen schimmelt, dann muss es weg!
Aber es wäre schade drum, und darum kämpfe ich seit sechs Wochen um die Organisation unserer Verpflegung. Der Anspruch: ausreichend, gesund, frisch, wenig gesättigte Fettsäuren, auf dem Fahrrad transportierbar, im Minikocher zubereitbar – und schmecken soll es auch noch. Außerdem muss es sich in der Hitze halten und darf nicht schnell verderben.
Zwölf Wochen täglich zum Essen ausgehen, das ist schlichtweg dann doch zu teuer und es bleibt beim Sonntäglichen Gasthausbesuch als etwas Besonderes, an dem Tag, an dem die Geschäfte sowieso geschlossen haben.
So habe ich dann meine Erfahrungen gemacht.
Die Überlegung vorab ging so:
- Frühstück: Haferflocken, Leinsamen, Nüsse, Obst und Joghurt (gesund, lecker, wir sind zufrieden)
- Abendessen: Entweder am Abend eingekaufter Fertigsalat mit allem drum und dran (bei Hitze) oder was Schnelles aus dem Kocher, z.b. Nudeln und Sauce oder vorgegarten Reis, Gemüseeinlage rein geschnippelt (Ich bin nicht zufrieden, hasse es, bei der Hitze den Kocher anzuschmeissen, mir stehen die Schweißperlen auf der Stirn, wenn ich nur diese Worte schreibe / Frank ist damit zufrieden, was ich ihm vorsetze)
- Zwischendurch: Nüsse, Salziges Gebäck, Obst, Hummus auf Brot oder auf trockenes Salzgebäck, harte Eier, Tomaten, Gurken, Paprika, auch mal Süßkram, Tomatenaufstrich als Dip (ich bin damit zufrieden, für Frank ist das zu trocken, er wünscht sich Brötchen.)
Die Realität sieht so aus:
Ich kaufe Obst:
- Weintrauben (sind erstaunlich hitzetauglich und halten bestimmt 3 Tage, wenn ich sie beschatten kann).
- Paprika (hält sich auch 3-4 Tage, wird schrumpelig, schimmelt aber nicht)
- Äpfel (bekommen ganz schnell Druckstellen durch die Hüpferei auf dem Fahrrad, wobei man sagen muss, dass das Obst generell auf dem autobahnähnlichen Donauradweg länger frisch bleibt, als auf den buckligen österreichischen Radwegen). Bananen (sind von Natur aus eingepackt und halten den einen Tag, bevor Frank sie essen muss).
- Aprikosen (erstaunlich hitzeresistent. Allerdings vertragen auch sie den Transport auf dem Fahrrad schlecht, hüpfen bei jeder Bodenwelle nach oben und aus dem offenen Korb heraus – ich kann es verstehen, es scheint ein natürliches Fluchtverhalten zu sein bei dem Gerappel. Sperre ich sie ein, habe ich am Abend zuckerfreie Marillenmarmelade.
- Blaubeeren (geht nur mit abends einkaufen und morgens ins Müsli hauen).
- Apfelsinen und Mandarinen (perfekt, um sie in großer Hitze mitzunehmen, leider bekomme ich sie nie einzeln, sondern immer im Netz, was ich im Grunde nicht brauchen kann).
- Tomaten (super, ich kann sie im „Kofferraum“ unterbringen).
- Gurke (super, muss aber auch am selben Tag gegessen werden).
- Hafermilch (wird in ein nasses Tuch gewickelt und auf dem Gepäckträger mitgenommen, da bleibt sie fast kühl).
- Eier (kann man schon gekocht kaufen, das ist praktisch). …
Irgendwie geht es 🙂 Bisher sind uns 2 Eier, 2 Äpfel und diverse Aprikosen schlecht geworden, für die Umstände eine gute Bilanz, finde ich.
Da träumen wir von herzhaftem Nudelgulasch und ich denke: Kein Problem, Nudeln kann ich kochen und den Gulasch nehme ich schlicht und ergreifend aus der Dose. Und dann stelle ich fest, dass Österreich offenbar keine Fleischkonserven zu bieten hat. Ich finde Erbsen, Bohnen, Obst in Dosen, kein Gulasch. Wie eigenartig ist das denn? Kein Nudeleintopf, keine Linsensuppe, nichts von all den Fertiggerichten in Dosen, die ich zu Hause konsequent verweigere. Also werden wir den Gulasch wohl doch im Wirtshaus essen müssen. … Oder vielleicht finde ich etwas eingefrorenes, muss ich morgen mal gucken. Morgen soll es regnen, da passt so ein Essen endlich mal zum Wetter. …
Ich muss es eingestehen: Es nervt mich mittlerweile schon sehr, täglich die Gedanken um den Einkauf im Kopf zu haben. Es ist schon sehr bequem und einfach, zu Hause einen Vorrat an Grundnahrungsmitteln zu haben, auf die man zurückgreifen kann. Aber hier muss ich täglich minimal, aber ausreichend planen, es ist nicht ganz einfach. Und vielleicht wird das einer der Gründe sein, mich in 6 Wochen auf zu Hause zu freuen :-))
Frank:
So, falls du diesen Eintrag Abends liest ist, ist das sicher eine schöne Gutenachtgeschichte: Willkommen zu Franks Märchenstunde – mit einer lokalen Sage aus dem Murtal, inspiriert durch die Drachenskulpturen in Teufenbach und die sagenumwobene Ruine 😉
Der Campingplatz auf der Festwiese von Teufenbach-Katsch liegt 400 m tiefer als die mächtige Ruine Steinschloss im Südosten des Ortes auf 1180 m Meereshöhe. Das Foto stammt aus Wikipedia, denn wir konnten vom Radweg aus nur wenig von der Burg erkennen. Alle genannten Orte haben auch wir auf unsere edlen Rössern durchquert – ähh …
Pipin, der Sohn Karls des Großen, beschenkte nach den Siegen über die Ungarn und Awaren seine tapferen Helden fürstlich. So erhielt der freie Mann Engelschalk neben der adligen Würde auch einen großen Forst ob Scheifling an der Mur zum Lehen. Engelschalk ließ nun auf dem hohen Stein die Feste Stein aufbauen und bewohnte sie einige Jahre lang. Als er starb, beweinten die Untertanen ihren guten Herrn, der sieben hübsche Töchter und einen Sohn hinterließ. Dieser leistete am Kaiserhof Kriegsdienste. Die Töchter fanden hingegen im Herrn von Saurau, dem Bruder ihrer verstorbenen Mutter, die beste Stütze. Die Schönheit der Schwestern war so bekannt, dass sich die Zahl heiratslustiger Adliger in der Burg von Stein täglich mehrte. Aber keine der Schwestern wollte Erstvermählte sein. So schickten sie die werbenden Ritter in die Welt hinaus, um sie unmögliche Abenteuer bestehen zu lassen.
Auch ein welscher Ritter war von den Reizen der Burgfräulein bezaubert. Bis in die Nacht hinein unterhielten sie ihn mit Saitenspiel und Tanz und kredenzten ihm den feurigsten Wein. Er warf sich Gisela, der schönsten, aber auch stolzesten der Schwestern, zu Füßen und gestand ihr seine Liebe. Höhnisch erwiderte Gisela dem Ritter: „Wie könnt Ihr euch unterstehen, von Liebe zu sprechen? Beweist durch Taten, dass Ihr der Liebe der Töchter von Stein wert seid! Wenn Ihr dem Mond eine Kette um die Hörner werfen und ihn an den Felsen dieser Burg fesseln könnt, dann fragt wieder um Bescheid hier an!“ Hierauf zogen sich die gleichgesinnten Schwestern in ihre Kemenaten zurück. Die heiße Liebe des Ritters verwandelte sich in Hass.
Er ging aus dem Saal und verbarg sich hinter der Turmtreppe, wo er seine Rachepläne schmiedete. Die Nacht war warm und hell. Er sah Gisela, in ein Nachtgewand gehüllt, durch den Burghof und dann durch ein Pförtchen in den Garten gehen. Der Ritter schlich ihr sofort nach, überwältigte und schändete sie und sprengte davon. Gisela stürzte zu ihren Schwestern und erzählte ihnen von der schamlosen Rachetat des Ritters. Da schwuren die Schwestern von Stein, alle Männer zu hassen. Die sieben Frauen ließen nun auf einem steilen Felsen bei Unzmarkt an der Mur eine Burg bauen, in der sie dann ganz zurückgezogen lebten. Dieses Schloss erhielt nach ihnen den Namen Frauenburg.
Giselas Sohn – die Folge der Schandtat – holte sich in den Schlachten des Kaisers die Rittersporen. Er wurde der Besitzer der Burg und der Stammvater der schon ausgestorbenen Ritter von Frauenburg, die als Wappen den an den Hörnern gefesselten Mond führten.
Gute Nacht!















2 Kommentare zu „T44: Oberes Murtal aufwärts → →“
Moin,
ja die Sache mit der Verpflegung ist wirklich nicht einfach. Da kam bei mir die Frage auf: Wie ernähren sich die Tour de France Fahrer?
Natürlich kein Vergleich, aber interessant zu lesen: https://www.fahrrad-xxl.de/blog/tour-de-france-ernaehrung/
ja das ist wirklich interessant:-))
Du hast es ja vor unserer Tour schon gesagt: du bist unser backup. Danke dafür:)))!!!!!