3 Monate auf dem Rad durch das Herz Europas

T10: Maintal aufwärts → Mainspessart

Frank:

Dank Ekkehard in Kahl am Main hatten wir wieder eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit im Garten. Super! Nun geht es die nächsten Tage immer mainaufwärts bis Bamberg. Heute haben wir einen Campingplatz hinter Wörth angelaufen, der leider wenig Schatten bot … bis jetzt gegen 19:00 Uhr, wo große Wolkenfelder den Himmel bedecken. Gott sei dank! Mich zieht die Wärme erheblich runter, wenn ich keinen Fahrtwind mehr habe und keinen Ort, an dem ich mich wirklich abkühlen kann.

Die heutigen 47 km waren einfach und mit dem über dem Main thronenden Schloss Johannisburg in Aschaffenburg gab es ein schönes Highlight – und doch war am Ende die Luft raus, sodass wir uns den wohl sehr schönen Ort Wörth am Main nicht mehr angeschaut haben. Nun denn, der Weg ist ja das Ziel und wir kommen noch durch hunderte schöner Orte.

Was uns auffiel: Kaum sind wir über den Weißwurstäquator, bietet man uns immer ungefragt Hilfe an, wenn wir irgendwo am Straßenrand stehen und uns über den Streckenverlauf orientieren. Allein heute ist das fünf Mal passiert. Do sag´ no´mol oaner wos über die Bayern, ge!

Sabine:

Ja, wir schwitzen. Nicht mehr so unbarmherzig wie die ersten Tage, aber es ist warm und Schatten jederzeit willkommen.

Außerdem drücken die Hände unangenehm auf den Lenker und beginnen zu kribbeln, was  die Notwendigkeit einer Pause unterstreicht. Von Franks gelegentlichen Kopfschmerzen mal abgesehen, geht es uns aber gut. …

… Wenn da nicht der Popo wäre! Ja, da drückt er auf den Sattel. Auf Franks extra angefertigten Sattel, auf meinen Gelsattel. Was die ersten Tage nicht weiter beachtenswert schien, schiebt sich nun mehr und mehr ins Bewusstsein. Ach, das Leben könnte so schön sein auf dem Radel. Drückt die Naht der Unterwäsche immer auf die selbe Stelle oder haben die Sitzbeinhöcker noch keine Sitzschwiele entwickelt? Wie dem auch sei: die ersten 5 km des Tages radelt es sich ungebremst und fröhlich. Ab Km 6 kommen Fragen: „Was macht dein Po?“

 „Ja, ich merke ihn.“

„Ich meinen auch“

So rutschen wir von einer Poposeite auf die andere, von vorn nach hinten, vom sitzen zum in die Pedale stellen.

5 km weiter:

„Ich brauch’ne Pause, mein Hintern!“

Wären 10 geschaffte km, aber geplant sind ca. 50. Nach der Pause geht es wieder besser. Genau 3 Km lang. Also rutschen wir wieder von rechts nach links und versuchen, dem Schmerz auszuweichen. 

So nette Städte gibt es hier: Romantisch mit hübsch anzusehendem Kopfsteinpflaster. Und auch die Radwege sind bestens gepflegt: An den Stellen, wo Wurzeln durch den Weg wachsen, hat man mit Leuchtfarbe Markierungen gesprüht, auf dass der geneigte Radfahrer die Möglichkeit, hat, langsam über die Wulste hinüber zu hüpfen.

Am Abend gibt es Kehrseitenbeschau, danach Essen. …

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