Frank:
Was für eine Affenhitze! Kein vernünftiger Mensch radelt dabei mit großem Gepäck durch das Rheinische Mittelgebirge … oder? Nun, wir sind ja schon groß genug, um selbst zu entscheiden, wieweit unsere Vernunft geht 😉
Wie Sabine schon schrieb, haben wir alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen beherzigt, aber die Rechnung ohne die Zufälle gemacht, die bei einer solchen (Tor)tour unweigerlich auftreten: Diesmal war es der Zelt-Packsack, der sich (bei der Fahrt vom Zelt zum WC) fast unlösbar ins Hinterrad und die Bremse zog. Es war ein Segen, dass Hanspeter noch bei uns war, denn ich war zu dieser Zeit von Kopfschmerzen geplagt und kaum handlungsfähig. Es hat mindestens eine halbe Stunde gedauert, bis das Rad wieder frei war.
Neben den Kopfschmerzen hatte ich immer noch Schluckbeschwerden … und ein kundiger Blick in meinen Rachen führte zum nächsten Ungemach: Das einzig Vernünftige war der Besuch eines HNO in Olpe. Wir hatten Glück, dass es gerade wenig zu tun gab, so dass ich ganz schnell zum Doc konnte. Der hat zwar nur militärisch klingende Anweisungen gegeben, aber ansonsten alle Register der Diagnose gezogen. Fazit: Keine akute Entzündung, nur noch sichtbare Reste von der überstandenen Halsentzündung und: „Na dann gute Fahrt auf dem Rad.“
So konnten wir wie geplant weiter – um in einer Eisdiele in Kreuztal von unserer lieben Nachbarin Katharina in gelebter Nachbarschaftshilfe das zu spät angekommene Schnellladegerät in Empfang zu nehmen. So konnte Sabine den zweiten Akku „abwerfen“ und so 2,5 kg Gewicht einsparen.
Bis Kreuztal war es allerdings noch ein enormer Kraftakt, der uns – vor allem bei Bergetappen in praller Sonne – alles abverlangte.
In Siegen haben wir uns dann (leider zu schnell mangels guter Gelegenheit für eine Pause) von Hanspeter verabschieden müssen, der von hier mit dem Flixbus zurück nach Wuppertal fährt.
Wir hatten zum Schluss noch ein besonders heftige Steigung vor uns (die für mich eigentlich schon über dem Limit war). Ohne Hitze kein Ding, aber so…
Und dann kamen wir ins Schlaraffenland! Um uns die beste Wegstrecke zu zeigen, hat uns Achim vom ersten 1NiteTent-Schlafplatz mit dem Rad an einer Stelle abgeholt. Und hätten wir seine Mails vorher abgefragt, hätte er uns sogar von Siegen bis auf den Berg geleitet. Doch was dann alles noch kam, hat uns schier die Sprache verschlagen: Ein traumhaft schöner Garten mit Terasse(n) und Weitblick ins Siegerland. Ein super gemütliches, romantisches Ambiente mit Möglichkeit für ein Gästezimmer, unzähligen Gläsern leckeren Siegener Wassers (die uns Achim angesichts der Hitzeetappe gewissermaßen „unaufdringlich eingeflößt“ hat) … und Spaghetti im Überfluss. (Sabine führt das gleich noch ein wenig aus) Wie gesagt: Das Schlaraffenland ist hier! Einziger Unterschied: Uschi und Achim sind wahre Menschen (und das meine ich im philosophischen Sinne)!
Danke!!!
Sabine:
Lerneffekt bei Hitze:
Es reicht nicht aus,
- im 10 Minuten-Takt Wasser zu trinken,
- sich die Flaschen immer wieder auffüllen zu lassen
- Salzbrezeln, Bananen als Pflichtprogramm zu futtern,
- Jede Stelle Schatten auszunutzen
- Sehr, sehr viele Pausen zu machen
- sehr, sehr langsam zu fahren.
Nein, ausreichend wäre es:
- bei solchem Wetter und dieser Hitze zu Hause zu bleiben, Punkt!
Noch nie habe ich so viel Wasser hintereinander getrunken. Unsere unfassbar aufmerksamen Gastgeber haben uns abgefüllt, sobald wir angekommen waren. 6 Gläser und immer noch Durst. Verstehen tue ich es nicht, denn wir haben wirklich viel getrunken. So verwöhnt worden bin ich lange nicht mehr:
- Das Glas wurde nicht leer,
- Die Melone eiskalt
- Das Gästezimmer als Option
- ein Blick in die Hügel
- dicke schattige Bäume
- ein veganes Abendessen (wie hat er das nur gemacht?)
- Eine Lampe für nachts
- sicherheitshalber den Mähroboter für morgen früh ausgestellt (sonst hätte ein Schreck unseren Schlaf stören können)
- Tiefgründiger Boden, in den man die Häringe nicht hämmern muss und als i-Tüpfelchen
- Fussball Deutschland-Ecuador auf der Terrasse
.. und wenn ich jetzt noch einen letzten Wunsch äußern dürfte, dann würde ich mir wünschen, soviel Wohlwollen und Güte zurückgeben zu können. Danke Uschi und Achim!










2 Kommentare zu „T3: Sauerland → Siegerland“
Allein solche menschlichen Menschen kennenlernen zu dürfen, ist die Strapazen doch wert!
Oh, Leute, da wird einem beim Lesen ja ganz „anders“! Ich hoffe, ihr lasst es heute und morgen bei den mega-Temperaturen irgendwie langsamer angehen – da macht man sich ja schon Sorgen: Ihr seid ja auch nicht mehr die Jüngsten! 😉
(Mal schauen, ob dieser Kommentar die Zensurschleife überlebt!?)
Aber das Erlebnis mit euren Gastgebern ist ja galaktisch. Und ich denke grad, ob sowas auch in OWL möglich wäre?
Nun denn, ich verziehe mich hier mehrmals täglich zum Abkühlen auf zwei Gartensessel im Keller, was mega-erholsam ist – und sämtlichen Keim des Neids für euer Abenteuer sofort in selbigem ersticken lässt.
Passt gut auf euch auf!