3 Monate auf dem Rad durch das Herz Europas

T17: Schweinfurt → Bamberg

Frank:

Der erste ganze Tag mit dem E-Bike war ein voller Erfolg! (Allerdings habe ich beim Händler nachgefragt, warum keine Klingel am Rad sei – bis ich sie rechts als unscheinbaren „marginalen Klingelring“ entdeckt habe.)

Ich habe schon einiges von Sabines Gepäck übernommen; eigentlich wollten wir heute den gebrauchten Kinder-Anhänger kaufen, um noch mehr umzupacken. Doch nach reiflicher Überlegung haben wir davon Abstand genommen … und stattdessen waren wir in den Pausen fieberhaft damit beschäftigt, eine passende Achse für den Burley-Anhänger zu bestellen, damit ich den ziehen kann. Zwei Anhänger (noch dazu ein umfunktionierter Kinder-Anhänger erschien uns dann doch „überkandidelt“). Es war nicht einfach, die Achse dieses US-Fabrikates zu bekommen – und nur ein (teurer) Spezi aus Pulheim konnte uns letztlich helfen. Er fertigt die Achse extra an – und dann hoffen wir, sie Ende nächster Woche an einer Postfiliale in Kelheim entgegennehmen zu können. Drück die Daumen!

Streckenmäßig mussten wir heute – neben einigen schönen Ortsdurchfahrten wie durch Haßfurt und natürlich durch die wunderschöne Welterbestadt Bamberg – etlichen Radwegen an Landstraßen folgen. Vom Main haben wir recht wenig gesehen.

In Bamberg war ich dann noch bei einem mobilen Messerschleifer, um mein Messer – das durch die Rettungsaktion von Sabines Rad am Biggesee, in das sich ein Stoffbeutel hineingezogen hatte – komplett stumpf geworfen war.

Nun denn, wir sitzen jetzt am Flüsschen Regnitz auf dem Campingplatz Insel bei Bamberg und versuchen, die Sache mit der Achse und meiner ersten Fahrradinspektion in Kelheim zu organisieren … ach ja: und irgendwo unterkommen müssen wir ja auch. Tägliches planen gehört halt dazu.

Ah! Ich vergaß, heute fiel mein Rad schon zum zweiten Mal um: Bin noch nicht ganz so vertraut mit dem Gleichgewicht „des Neuen“. Dummerweise stand Sabines Gespann neben meinem Rad und so hatten wir einen perfekten Dominoeffekt – direkt am Ufer der Regnitz. Welch ein Glück, dass nichts von unserem Gepäck in den Fluss gefallen ist!

Sabine:

Unsere Islandstute Svertla war ein Schatz. Und wenn man ihre Macken zu nehmen wusste, war sie ein wunderbares Verlasspferd, jederzeit vorhersehbar. So hatte sie eine Panik vor Kanaldeckeln und weißen Strichen auf der Strasse. Bemerkte sie das eine oder andere, war sie um nichts in der Welt bereit, darüber oder nah daran vorbei zu laufen. Lieber sprang sie in ihrer „Pferde-unvernünftigen Panik“ vor den von hinten anfahrenden Lastwagen. Dieses Verhalten war für mich nicht gefährlich. Sah ich selbst den Kanaldeckel oder die Strassenmarkierung, brachte ich Svertla zum Stehen, wartete, bis der Lastwagen vorbeigefahren war und wir ritten mit einen 3 Meter weiten Bogen um das Pferdegespenst herum und setzten seelenruhig den Ausritt fort.

Genau so stellt sich Hänger ziehen mit dem Fahrrad dar: 

Der Hänger und dessen Fahrverhalten ist berechenbar. Wenn ich auf dem Fahrrad fahre und der Weg vor mir liegt, ist alles ganz prima. Davor ist das Aufsteigen zu bewerkstelligen. Da das Gespann drei hintereinander liegende Räder hat, ist die ganze Geschichte eine sehr wackelige. Das  Gespann ist schon recht schwer. Ich kann es leicht schieben, wenn das Fahrrad möglichst senkrecht steht. Schiebe ich zu schräg, kommt sowohl Rad als auch Hänger aus dem Gleichgewicht und fallen mir mit ihrem ganzen Gewicht entgegen. Ich kann den Sturz nur verhindern, indem ich meine Hüfte an den Sattel stemme und damit für ein Gegengewicht sorge. … Selbiges in der Kurve: Nehme ich diese zu eng, kippt das Gespann, also sorge ich vor und nehme die Kurven groß genug. Gibt die Situation nicht genug Platz her, steige ich ab, schiebe alles sorgsam um die Ecke und steige dann wieder auf. Sobald ich nur einen Fuß auf dem rollenden Rad habe, ist die Gefahr vorbei, aber da alles meistens wackelt, warte ich ab, bis alle Autos oder sonstige Hindernisse vorbei sind und starte dann in aller Seelenruhe. Nicht alle Autofahrer verstehen meine Taktik, wollen mich freundlich vorbeilassen und blinken auf. Aber ich will mich nicht unter Druck setzen lassen und winke sie weiter. Ebenso kommt Frank nicht immer mit meiner Fahrweise zurecht. Da es schwierig ist, über die Schulter nach hinten zu schauen, ziehe ich es vor, anzuhalten, entspannt die Verkehrslage zu checken und nur zu starten, wenn es mir möglich ist. Je nach Ampel oder Abzweig kann es vorkommen, dass ich auf einem Bein Zentimeter für Zentimeter weiter hüpfe, um in die richtige Startposition zu gelangen. Das nervt schonmal meinen Hintermann, aber da bin ich schmerzfrei und hüpfe, wie es mir passt. Wenn ich Probleme mit dem Navi habe, welches mir sagt, ich möge links weiterfahren, aber gleichzeitig nach rechts zeigt, kann es vorkommen, dass ich ein oder zwei Meter zu weit in die falsche Richtung abgebogen bin und es ist ein Wenden nötig. Das nervt meinen Hintermann auch – und auch mich. Aber so ist es nun mal, da müssen wir durch. Wenn die Wendung sehr eng ist, kann es vorkommen, dass ich Hilfe beim Wenden benötige. D.h. Frank muss von seinem Rad absteigen, es umfallsicher abstellen, um dann meinen Hänger ein Stück anzuheben, damit ich die enge Kurve überhaupt machen kann. Es ist eben ein Schwerlasttransport. Geht es bergauf und Frank fuhr sehr langsam (als er noch das alte Rad hatte), war es für mich zu langsam, sonst wäre ich umgefallen. Also gab ich Gas und wartete oben auf ihn. Bergab ist es umgekehrt: Fahre ich zu schnell, gerät der Hänger ins Schlingern. Also bemühe ich die schon einmal ausgewechselten Bremsbeläge und Frank sauste an mir vorbei, um Schwung für den nächsten Hügel zu bekommen.

Ihr seht, es ist alles ein wenig kompliziert … aber abends vertragen wir uns dann immer wieder :-))) Aber es geht mir genau so wie es mir mit Svertla ergangen ist: Hänger fahren ist vorhersehbar und damit so sicher, wie es nur sein kann. …

1 Kommentar zu „T17: Schweinfurt → Bamberg“

  1. Herzlichen Glückwunsch zum
    Haibike!
    Schon seit über 10 Jahren fahre
    ich selbst ein Haibike Trecking ,
    21Gänge,doppeltes Kettenblatt,
    nur 22kg.Keine 28-30 kg wie die
    heutigen „SUV-E-Bikes“.
    Fahre die Damen version mit
    tieferliegendem Rahmenrohr,
    sodass man durchsteigen kann
    und nicht mehr über den Sattel
    schwingen muss. Bin halt nicht mehr
    so gelenkig .
    Schade, dass dieses Modell nicht mehr gebaut wird!
    Weiterhin gute Fahrt!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar