3 Monate auf dem Rad durch das Herz Europas

T69: Oberrhein abwärts →→

Frank:

Wie Hanspeter beim heutigen Telefonat ganz richtig erkannt hat, merkt man, dass der „Spirit“ bei radeldidö langsam zurückgeht. Für Sabine ist es nun nicht mehr ganz „der Weg ist das Ziel“, sondern das Ziel ist zu Hause – auch wenn die Fahrt natürlich noch Spaß machen soll – und ich verspüre auch ein wenig eine Art „mentale Sättigung“ und das zeigt sich bestimmt auch in den Beiträgen zu diesem Blog. … Apropos Sättigung:

Heute ging es weiter den Rhein entlang. Das Wetter war ausgezeichnet: Nicht zu warm, nicht zu sonnig, trocken und meist nur leicht windig – super Radlwetter! Die Landschaft war sehr abwechslungsreich – allerdings auch, weil wir den Rheinradweg für das Mittagessen verlassen haben und dann durch die Felder und mehrere kleine Ortschaften gefahren sind. Für Sabine war es teilweise sehr hart, all die Äpfel und Birnen zu sehen, die ungenutzt in großer Zahl um die Bäume auf dem Boden lagen – und vergammeln. Am liebsten hätte sie alle aufgelesen, die noch gut waren – doch das waren natürlich tausende zu viel. Erstaunlich war der Fund von ein paar knackigen, sehr leckeren Erdbeeren – zu meiner großen Freude – auf einem längst abgeernteten Erdbeerfeld.

Ebenso erstaunlich waren komplett abgestorbene, vertrocknete Maisfelder, die dennoch ausgereifte Maiskolben trugen. Ich habe dazu recherchiert: Der Mais hatte vermutlich zur entscheidenden Befruchtungsphase noch genug Wasser, ist danach aber unter Hitze-/Trockenstress früh abgestorben und notreif geworden. Das heißt allerdings heißt nicht automatisch guter Ertrag: Die Kolben können optisch ordentlich aussehen, haben aber weniger Körner pro Kolben und kleinere Körner. Aber immerhin kann man sie noch ernten.

Da wir Sonntags in der Regel essen gehen, hatten wir heute ein Lokal am Weg ausgesucht, um zu Mittag zu essen. Es gab dort – beim „Hirschen“ – nichts Veganes, zwei vegetarische Gerichte und haufenweise Fleisch. Es ist auf dem Land hier schwierig, die Leute essen gern traditionell 😉 Zumindest sind wir satt geworden, aber wirklich besonders war es nicht.

Weiter ging es dann durch das 17 km² große, grenzüberschreitende Naturschutzgebiet Taubergießen, in dem wir vor Jahrzehnten einmal zu dritt eine Woche Kanufahren waren. Auch vom Rad aus hat diese ursprüngliche Rheinauenlandschaft einen ganz besonderen Reiz – die Altarme (übrigens alle wassergefüllt) mit glasklarem Wasser und üppiger, urwaldartiger Vegetation an den Ufern. Es wirkt ein wenig wie die Galeriewälder am Amazonas oder in den Everglades.

Gelandet sind wir schließlich am frühen Nachmittag auf einem Pferdehof – genauer gesagt einem Hof mit Pferden und Wagen, die das Führen von Kutschen lehren. Wenn du denkst, dass wir nun auf eine Kutsche umsteigen wollen, liegst du falsch (auch wenn wir manchmal bekloppte Ideen haben). Der Hof hat schlicht und ergreifend eine Wiese für Zelter eingerichtet und es gibt Dusche und WC. Perfekt!

Übrigens: Mit dem Intercom, von dem wir schon mehrfach berichtet haben, hatte Sabine seit Wochen Streit. Irgendwie hatte sie oft Mühe, mich zu verstehen … und sann seither darüber nach, woran das liegen könnte. Ich war schon soweit, dass ich vorschlug, es nach der Reise zu reklamieren – da kam ihr die rettende Idee. Sie fragte mich: „Könnte es nicht auch sein, dass meine Lautsprecher in Ordnung sind – und stattdessen ist dein Mikro defekt?“ – Ich stutzte und musste zugeben, dass das natürlich auch möglich wäre. Während ich noch über diese neue Möglichkeit nachsann, kam Sabine der entscheidende Gedanke: „Bleib mal stehen.“ – „Was? Willst du jetzt schon wieder eine Pause machen?“ – „Nein, ich will etwas ausprobieren. … Setz die mal auf die Bank und nimm den Helm ab.“ Was dann kam, war das Ergebnis langer Denkarbeit: „Wir haben das Ding nach Anweisung am Helm angebracht, oder?“ – „Ja, ganz sicher.“ – „Und dennoch ist es komisch, dass das Mikro nach oben gerichtet ist und nicht nach unten zum Mund.“ – Ich sah mir das Ding genauer an und Sabine zeigte mir das Mikro, das mir ehrlich gesagt vorher nicht aufgefallen war (wenn man nicht genau hinschaut): „Ah! Na klar, die Dinger sind falsch herum installiert!“ – „Genau. Auch wenn es schwieriges Gefummel ist, lass sie uns mal umdrehen.“ – Gesagt, getan. Und tatsächlich war das Ergebnis „schlagend“: Nun konnten wir uns selbst bei allen möglichen Nebengeräuschen verstehen, was vorher kaum möglich gewesen war. … So einfach kann es manchmal sein 😉 (Wer kennt das nicht: Gebrauchsanweisungen sind oft schlecht übersetzt und so kommt es leicht zu Missverständnissen. Wir haben das Ding noch irgendwo im Gepäck, aber ich bin sicher, so wird es gewesen sein.)

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